Ein Mittwochabend kann nach Restwoche schmecken. Oder einfach nur nach Mesh. Am 8. April erwischte München glücklicherweise die zweite Variante: ein volles Backstage Werk, bestens aufgelegte Fans und eine Band, deren Songs zuverlässig die Verbindung zwischen Tanzbein und Gefühlszentrum herstellen. Dass am nächsten Morgen vermutlich wieder irgendein Wecker klingeln würde, durfte vorübergehend als Problem anderer Leute gelten.

Nach dem eingespielten Intro „Cipher“ gehörte der Auftakt dem Titelstück des neuen Albums „The Truth Doesn’t Matter“, direkt gefolgt von „A Storm Is Coming“. Mesh räumten ihrem frischen Material von Anfang an ordentlich Platz ein. Eine gute Entscheidung: Der Abend lebte gerade davon, wie selbstverständlich sich neue Songs und vertraute Favoriten ineinanderfügten.

Mit „My Protector“ stand früh einer dieser Favoriten auf dem Programm. Der Song von „Looking Skyward“ bringt schließlich ziemlich viel von dem mit, was Mesh so stark macht: Druck, Melodie und einen Refrain, der sich auch ohne schriftliche Einladung im Kopf niederlässt. Im Backstage funktionierte das prächtig. Die Fans gingen mit, die Stimmung trug – und mit „Crash“ sowie dem später folgenden „Kill Your Darlings“ bekam die Begeisterung weitere gute Gründe, sich auszubreiten.

Dazwischen behaupteten sich „Hey Stranger“ und „I Bleed Through You“ aus dem neuen Album. Genau darin lag die Stärke dieser Setlist: Man wartete nicht bloß auf den nächsten alten Liebling. Auch die aktuellen Stücke gehörten zu einem stimmigen Konzert, das seine Spannung über den Wechsel aus Vorwärtsdrang und großen Gefühlen hielt. Einen besonderen Akzent setzten „Bury Me Again“ und „Tilt“, bei denen Mari Kattman gemeinsam mit Mesh auf der Bühne stand.

Mit „State of Mind“ und „Hold and Restrain“ reichte der Blick noch weiter zurück. „Taken for Granted“ aus „Automation Baby“ lieferte im letzten Teil des Hauptsets einen weiteren Höhepunkt, bevor „Be Kind“ zunächst den Schlusspunkt setzte. Wobei „Schlusspunkt“ bei einem solchen Abend natürlich ein ausgesprochen verhandelbarer Begriff ist.

Die erste Zugabe brachte dann mit „The Last One Standing“ den Höhepunkt, auf den sich wohl ziemlich viele im Raum besonders gefreut hatten. Was für ein Song für diesen Moment: groß, mitreißend und bestens geeignet, die letzten Reserven zu mobilisieren. Zusammen mit „Born to Lie“ wurde daraus ein Zugabenblock, bei dem das Publikum noch einmal begeistert mitging. Der innere Schrittzähler dürfte zufrieden gewesen sein.

Das endgültig letzte Wort hatte anschließend „Exile“. Auch zum Abschied vertrauten Mesh damit auf ihr neues Album und machten den Bogen zum Beginn des Konzerts zu. Zurück blieb das Gefühl eines rundum gelungenen Abends: starke neue Songs, ältere Favoriten an den richtigen Stellen und ein Backstage voller Menschen, die hörbar und sichtbar auf ihre Kosten kamen. Der Donnerstag musste damit leben, dass der Mittwoch diesmal deutlich besser gewesen war.