Kontravoid - Sound Of The Void

Kontravoid - Sound Of The...

Eine weiße Gesichtsmaske gehört bei 'Kontravoid' zum Bühnenbild. Dahinter steckt 'Cameron Findlay', der die maskierte Figur als visuelles Gegenstück zu seiner dunklen Musik entwickelte. Das Problem mit dem passenden Gesichtsausdruck ist damit schon einmal gelöst. Seit seinem Debüt von 2012 verbindet der Kanadier EBM, Coldwave und düsteren Pop. Der inzwischen in Los Angeles lebende Musiker war zuvor Schlagzeuger bei 'Crystal Castles' und Mitglied von 'Parallels'. Er kennt also sowohl den Druck elektronischer Clubmusik als auch die Wirkung einer guten Melodie. Die Maske mag ausdruckslos sein, die Musik darf durchaus Gefühle haben.

'Sound Of The Void', erschienen am 2. Oktober 2026 bei 'Artoffact Records', schließt an 'Detachment' von 2024 an. Zehn Stücke, rund 33 Minuten: 'Kontravoid' kommt erfreulich zügig zur Sache. Für mich ist daraus ein sympathisches, stilsicheres Album geworden, das seine Stärken kennt und angenehm wenig Aufhebens darum macht. Das musikalische Fundament bilden kräftige, sequenzierte Basslinien und präzise Electro-Rhythmen. Darüber liegen kühle Synthesizerflächen, während ein rauer, verfremdeter Gesang für Distanz sorgt. EBM liefert den körperlichen Impuls, Coldwave die melancholische Temperatur, und der Pop-Instinkt verhindert, dass alles ausschließlich nach verschlossener Stahltür klingt. Der Bezug zu elektronischen Achtziger-Sounds ist deutlich, ebenso die Absicht, damit Bewegung auszulösen. Diese Musik möchte ihre Dunkelheit auf den Dancefloor mitnehmen. Gerade das Zusammenspiel aus straffen Rhythmen und zugänglichen Melodien macht ihren Reiz aus.

'Kontravoid' verbindet dabei die harte rhythmische Grundlage mit einer Eingängigkeit, die sich auch ohne Nebelmaschine und einen beeindruckenden Vorrat an schwarzen Hemden erschließt. Die Melodien schaffen Raum innerhalb der kühlen Atmosphäre, geben den Stücken Kontur und lassen sie trotz ihrer raueren Oberfläche einladend wirken. Dabei verliert die Musik ihren düsteren Charakter keineswegs. Man muss keinen EBM-Stammbaum auswendig kennen, um hier einen Zugang zu finden. Der Groove übernimmt die Begrüßung. Genau diese Verlässlichkeit setzt für mich allerdings auch die Grenze des Albums. Pulsierender Bass, elektronische Kälte und melancholische Eingängigkeit greifen überzeugend ineinander; besonders nachdrücklich bleibt mir die Verbindung aber nur selten im Gedächtnis. Mir fehlen jene Momente, in denen eine eigenwillige Idee oder eine ungewöhnlich starke Melodie den vertrauten Rahmen mit besonderem Leben füllt. Das Handwerk stimmt, und ich kann die Begeisterung für den Sound gut nachvollziehen. Meine eigene fällt etwas zurückhaltender aus: 'Sound Of The Void' besitzt ein klares Profil, hebt sich für mich innerhalb seines musikalischen Umfelds jedoch nicht deutlich hervor. Dafür bräuchte es keine Neuerfindung, sondern einfach mehr von jenen Einfällen, die auch nach dem letzten Stück noch nachwirken.

Als Einstieg empfehle ich 'Chances'. Der melodische Bass und die eingängige Synthpop-Seite zeigen, wie gut 'Kontravoid' seine rauere elektronische Sprache für einen unmittelbaren Zugang öffnen kann. Das Stück bringt Melancholie und Tanzbarkeit schlüssig zusammen. Den Gegenpol liefert 'Mortal': schnell, aggressiv und treibend, mit deutlich mehr Druck und Vorwärtsdrang. Wo 'Chances' zum Tanzen einlädt, schiebt 'Mortal' gleich mit beiden Händen nach. Zusammen zeigen die beiden Anspieltipps die zugängliche und die härtere Seite des Albums. Wer Coldwave, melodische EBM und dunklen Electro-Pop mag, dürfte mit 'Sound Of The Void' eine angenehme Bekanntschaft machen. Besonders Fans des Projekts bekommen gute Gründe, wiederzukommen. Auch für neugierige Einsteiger bietet die kompakte Spielzeit einen unkomplizierten Zugang. Für mich bleibt ein gelungenes, atmosphärisch stimmiges Album mit sympathischer Zugänglichkeit. Ich mag diese souveräne Art; meine Zuneigung reicht für ein freundliches Wiedersehen. Die weiße Maske behält ihren festen Platz, einen zusätzlichen Sockel muss man ihr aber diesmal nicht bauen.

Kontravoid - Sound Of The Void
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