Dudelsack, Drehleier, Sitar und Walliser Hackbrett. Wer diese vier Instrumente zum Soundcheck bestellt, sollte dem Techniker wenigstens vorher Bescheid geben. Bei 'Koenix' kommt noch eine E-Gitarre dazu, und plötzlich ergibt die Sache Sinn. Auf „Andertal“ kann eine alte Alpensage auf einen treibenden Beat treffen und ein Arztbesuch in Ska ausarten. Mittelalter-Folk-Rock ist dafür eine brauchbare Bezeichnung. Für den Soundcheck dürfte sie zu spät kommen.

Auf ihrem sechsten Studioalbum erzählen die fünf Schweizer in zehn Stücken auf Deutsch und in Schweizer Mundart von einem Tal, in dem Drachenreiter und Gletscherfeen zur Nachbarschaft gehören. Weniger gemütlich wird’s in „Gratzug“. Da zieht eine Prozession der Toten aus den Walliser Hochalpen hinab. Wer sie laut Sage sieht, soll bald selbst mitmarschieren. In „Imagonomanie“ sucht Sänger Jonas Martin wegen seiner ausufernden Fantasie ärztlichen Rat. Beim federnden Ska-Rhythmus fragt man sich allerdings, ob man sich diese Diagnose nicht lieber verschreiben lassen möchte. Und in der bereits am 11. September erschienenen Single „Ke Troum“ teilen sich Drehleier und Hackbrett den Platz mit einem Beat, der auch ohne Kenntnis der Mundart ziemlich direkt in die Beine geht.

Das Tal lässt sich auch abseits der Musik erkunden. Zum Album haben 'Koenix' ein Paket aus CD, Begleitbuch und Autogrammkarte angekündigt. Auf 104 Seiten verbindet Martin die Songs zu einer Geschichte über Verlust, Zuflucht in der Fantasie und die Suche nach Zugehörigkeit. Die Songtexte stehen ebenfalls drin. Dass die Band aus ihrer Ideenwelt eine CD samt Buch machen konnte, verdankt sie auch 268 Leuten, die beim Crowdfunding im Frühjahr zusammen 22.235 Schweizer Franken beisteuerten. Am 19. Dezember 2026 steht der nächste Münchner Soundcheck an. Dann spielen 'Koenix' mit 'Keltania' und 'Deus Vult' bei der Mittelalter-Folk-Rock-Nacht im Backstage Club. Der Techniker ist hoffentlich eingeweiht.