Schwarz, schwer, limitiert: 'Flesh Field' veröffentlichen 'On Enmity' physisch

Schwarz, schwer, limitiert: Flesh Field...

In Leipzig tobt gerade das 33. Wave-Gotik-Treffen und verwandelt die Stadt vom 22. bis 25. Mai 2026 wieder in ein schwarzes Paralleluniversum aus Gothic, Industrial, Dark Wave, Nebel, Samt, Lack und Sonnenbrillen mit existenzieller Tiefe. Passender könnte das Timing kaum sein: Genau zum Start dieses düsteren Pfingstwochenendes haben 'Flesh Field' ihr neues Album „On Enmity“ auch physisch veröffentlicht – als limitierte 2CD-Artbook-Deluxe-Edition via Dependent Records. Digital erschien das Werk bereits am 20. Februar 2026, jetzt bekommt die gepflegte Seelenverwüstung also endlich Gewicht, Seitenzahl und Sammlerwürde.

Die physische Ausgabe kommt als aufwendig gestaltetes Hardcover-Artbook mit zwei CDs, Bonusmaterial und exklusiven Zusatztracks. Wer Industrial bislang nur gestreamt hat, darf nun wieder spüren, wie sich ein Album anfühlt, wenn es nicht nur aus den Boxen hämmert, sondern auch im Regal so aussieht, als würde es nachts die anderen Tonträger streng verhören. Mastermind Ian Ross beschreibt „On Enmity“ als Auseinandersetzung mit den Nachwirkungen von Trauma. Es gehe nicht um Heilung, sondern um das Weiterexistieren nach dem Schaden – um Anpassung an Ruinen, wenn Überleben selbst schon zur trotzigen Kampfhandlung wird. Das klingt nicht nach Wellness-Retreat mit Lavendeltee, sondern nach Industrial, der mit Stahlkappen durch innere Trümmerlandschaften marschiert. Musikalisch schärfen 'Flesh Field' ihren bekannten US-Industrial-Sound weiter an: harte Beats, kalte Elektronik, wütende Atmosphäre und cineastische Orchester-Elemente, die wirken, als hätte jemand einen Endzeitfilm direkt in eine Maschinenhalle geschoben.

Auf dem regulären Album stehen zwölf Tracks, darunter „Omnicide“, „Indestructible“, „Ballad Of The Renegade“, „Cruelty As Artistry“, „The Devil You Know“, „Molten Resolve“, „Unwanted“ und „A Boy Named Resurrection“. Die Bonus-CD legt zusätzlich nach, unter anderem mit „Hegemony“ featuring Tom Shear von 'Assemblage 23' sowie Remixen von Acts wie 'Lost Signal', 'Mildreda' und '16 Volt'. Das ist kein nettes kleines Extra, sondern eher die zweite Angriffswelle für alle, die nach dem Hauptalbum noch nicht genug rhythmisch durchgeschüttelt wurden.

'Flesh Field' wurden 1996 in Columbus, Ohio, gegründet und gehören zu jenen Industrial-Projekten, die Härte nie nur als Lautstärke verstanden haben. Schon Alben wie „Viral Extinction“, „Belief Control“ und „Strain“ verbanden elektronische Wucht mit Melodie, Dramatik und emotionaler Schwere. Nach längerer Pause kehrte Ian Ross 2023 mit „Voice Of The Echo Chamber“ zurück; „On Enmity“ wirkt nun wie der nächste konsequente Schritt: düsterer, orchestral größer gedacht und dennoch mit genug Club-Druck versehen, um auch spät nachts noch Betonwände freundlich anzuknurren. Dass diese physische Veröffentlichung ausgerechnet ins WGT-Wochenende fällt, ist fast zu passend, um Zufall zu sein. Während Leipzig in Schwarz badet, liefern 'Flesh Field' uns also ein Album, das dunkle Ästhetik nicht nur dekoriert, sondern seziert. „On Enmity“ ist Industrial für beschädigte Zeiten: wuchtig, finster, theatralisch und erstaunlich zielgenau. Kein Trostpflaster – eher eine metallene Klammer für offene Stellen.

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