Mit „Lighthouse“ zeigt ‘Hunter As A Horse’ sofort, wo es langgeht: melancholischer Electro-Pop mit psychologischem Tiefgang. Kein Füllmaterial, kein Lärm – sondern Atmosphäre, die hängen bleibt. Hinter ‘Hunter As A Horse’ steht die südafrikanische Musikerin Mia van Wyk, die sich in den vergangenen Jahren mit eigenständig veröffentlichten Singles und EPs eine beachtliche Reputation erspielt hat. Stilistisch bewegt sie sich zwischen Alternative, Indie, elektronischen Klanglandschaften und Dream-Pop, streift Alternative Dance und berührt hier und da sogar Nu-Goth-Gefilde. Das klingt nach Genre-Mix – fühlt sich aber erstaunlich geschlossen an. Ihr Sound wirkt durchdacht, organisch und vor allem: ehrlich.
„Lighthouse“ ist zugleich die erste Veröffentlichung nach dem Signing beim renommierten Label Metropolis Records. Ein passender Schritt, denn das Label steht seit Jahrzehnten für anspruchsvolle dunkle Elektronik. Klanglich setzt der Track auf schimmernde Synth-Flächen, einen dezent pulsierenden Beat und eine cineastische Produktion, die eher Atmosphäre aufbaut, als platt nach vorne zu marschieren. Darüber legt sich Mia van Wyks Stimme – kühl, klar und verletzlich, aber immer mit einer inneren Stärke. Thematisch geht es in „Lighthouse“ tief hinein in Mythologie und Psychologie. Inspiriert von den Ideen des Schweizer Psychiaters Carl Jung und dem Konzept der „Shadow Work“ kreist der Song um das Annehmen der eigenen dunklen Seiten. Der Leuchtturm fungiert dabei als Symbol für Orientierung im inneren Sturm – ein Bild, das weder kitschig noch belehrend wirkt, sondern stimmig und reflektiert.
Persönlich gesprochen: Mich überzeugt „Lighthouse“ vor allem durch seine Zurückhaltung. Der Song drängt sich nicht auf, sondern entfaltet sich mit jeder weiteren Minute. Diese Mischung aus melancholischer Eleganz, psychologischer Tiefe und moderner Produktion bleibt im Ohr – und im Kopf. ‘Hunter As A Horse’ beweist einmal mehr, dass dunkler Electro-Pop nicht nur tanzbar, sondern auch gedanklich fordernd sein darf. Ein starker Auftakt für das neue Kapitel bei Metropolis Records.
Hunter As A Horse – „Lighthouse“: Dark-Pop trifft Tiefenpsychologie
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