Andere kaufen sich mit Mitte fünfzig ein Cabrio. Christian Fuchs holt stattdessen sein Alter Ego ‘Christian Fetish’ aus dem Keller, pustet den Staub der 90er weg und dreht die Verstärker auf elf. „Aura Nera“ ist keine sentimentale Rückschau, sondern eine ziemlich elegante Art zu sagen: Ich bin noch lange nicht fertig – und leiser werde ich ganz sicher nicht. Das Album erscheint am 27.03.2026 über Noise Appeal Records und greift eine Idee auf, die alles andere als leicht verdaulich ist. Inspiriert von Dantes zweitem Höllenkreis und den Schriften des US-Philosophen Eugene Thacker, beschäftigt sich Fuchs mit kosmischem Pessimismus. Übersetzt heißt das: Wir sind dem Universum ungefähr so wichtig wie ein Staubkorn im Wind. Klingt deprimierend? Vielleicht. Klingt spannend? Definitiv. Vor allem, wenn man diesen Gedanken nicht als Essay, sondern als druckvollen Industrial-Rock serviert bekommt.
Wer sich an 'Fetish 69' erinnert, weiß, dass Fuchs nie für halbe Sachen stand. In den 90ern sorgte die Band zwischen Wien und Graz mit Alben wie „Antibody“ und „Purge“ für internationales Aufhorchen. Mechanisch, metallisch, philosophisch aufgeladen – und live so intensiv, dass man sich fragte, ob die PA-Anlage danach Therapie braucht. 2003 war Schluss, danach folgten stilistische Kurvenfahrten: Electro-Punk mit Bunny Lake, düstere Velvet-Underground-Verneigungen mit Die Buben im Pelz und cineastische Klangwelten im Black Palms Orchestra.
„Aura Nera“ fühlt sich nun an wie eine bewusste Rückbesinnung – aber ohne Nostalgie-Filter. Härtere Gitarren treffen auf elektronische Wucht, produziert im südsteirischen Studio von Bernd Heinrauch. Mit dabei sind alte Weggefährten wie Christof Baumgartner sowie Wolfgang Frisch und Wolfgang Schlögl von Sofa Surfers. Medina Rekic bringt bluesige Energie ins Spiel, Sonja Maier von Baits zerlegt in „Minus Man“ giftige Männlichkeitsbilder, und Richy Dead Gein von Bloodsucking Zombies from Outer Space verpasst „No Life In Outer Space“ eine herrlich morbide Note. Selbst Kriminalbiologe Mark Benecke sorgt mit einem gesprochenen Outro für zusätzlichen Gänsehaut-Faktor.
Thematisch kreist das Album um politische Verdunkelung, Schlaflosigkeit, Verluste und die Dekonstruktion eigener früherer Standpunkte. Fuchs blickt nicht verklärt zurück, sondern konfrontiert sein früheres Ich. Das verleiht „Aura Nera“ eine besondere Tiefe: Es ist laut, es ist unbequem – und gleichzeitig reflektiert. Live soll das Ganze poppig, brutal und intensiv umgesetzt werden. Leder und Trockeneis inklusive. Im April stehen Wien und Graz auf dem Plan, im Mai Innsbruck. Wer glaubt, Industrial sei nur ein Relikt aus verrauchten Kellern der 90er, dürfte hier eines Besseren belehrt werden. „Aura Nera“ ist keine Midlife-Crisis. Es ist eine Midlife-Explosion – mit ordentlich Bassdruck.
Dunkel, laut, unbequem: ‘Christian Fetish’ veröffentlicht „Aura Nera“
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