Je länger man sich mit elektronischer Musik beschäftigt, desto anspruchsvoller wird man – und desto gnadenloser auch. Zu viele Releases funktionieren wie gut geölte Maschinen: korrekt, druckvoll, aber letztlich austauschbar. Genau deshalb hat mich ‚Hide In The Light‘ von ‚Fractal‘ irgendwie angenehm überrascht. Nicht, weil hier plötzlich alles anders gemacht wird, sondern weil ‚Tomasz Lukowicz‘ sehr genau weiß, was er tut – und was er lieber bleiben lässt. ‚Fractal‘ gehört seit Jahren zu den verlässlichsten Projekten im Umfeld von Aliens Production, und dieses Album fühlt sich ein bisschen so an wie ein selbstbewusstes Schulterzucken: kein revolutionäres Statement, aber ein sehr überzeugendes „Ich kann das“.
Musikalisch bewegt sich ‚Hide In The Light‘ klar im Dark-Electro-Bereich, öffnet aber immer wieder Fenster in modernere elektronische Gefilde. Dominante, sauber programmierte Beats treiben das Album nach vorne, ohne dabei plump zu wirken. Alles sitzt an seinem Platz, alles hat eine Funktion. Die Sequenzen sind präzise, die Synths glänzen, ohne sich in Effekthascherei zu verlieren, und die subtilen IDM-Anleihen sorgen dafür, dass der Sound nie eindimensional wirkt. Was mir besonders gefällt: ‚Fractal‘ weiß genau, wann Zurückhaltung stärker ist als noch ein Layer mehr. Statt die Arrangements zu überfrachten, lässt ‚Hide In The Light‘ Raum – für Atmosphäre, für Melodien, für Spannung. Diese Balance zwischen kontrollierter Härte und emotionaler Offenheit funktioniert erstaunlich gut. Die Musik ist treibend, aber nicht stumpf, düster, aber nicht selbstverliebt depressiv. Man merkt: Hier arbeitet jemand, der das Genre nicht nur kennt, sondern ihm auch vertraut.
Die leicht verzerrten Vocals fügen sich dabei souverän ins Gesamtbild ein. Sie drängen sich nicht in den Vordergrund, sondern agieren eher als verbindendes Element zwischen Rhythmus und Fläche. Genau das verleiht dem Album seinen fast soundtrackartigen Charakter. ‚Hide In The Light‘ fühlt sich weniger wie eine lose Sammlung von Clubtracks an, sondern eher wie ein durchgehender Zustand – irgendwo zwischen futuristischer Großstadt bei Nacht und kontrolliertem inneren Chaos. Produktionstechnisch gibt es wenig zu meckern. Der Sound ist druckvoll, klar und modern, ohne diesen klinisch-sauberen Beigeschmack, der viele aktuelle Releases etwas leblos wirken lässt. Besonders beim wiederholten Hören entfaltet das Album seine Stärken: kleine Details, feine Übergänge, subtil platzierte Klangideen. ‚Hide In The Light‘ ist kein Album, das alles sofort preisgibt – und genau das macht es für mich reizvoller als viele seiner Genre-Kollegen.
Also, damit ist ‚Hide In The Light‘ ein starkes, geschlossenes Album für alle, die Dark Electro mögen aber auf Dauer mehr erwarten als nur brachiale Beats und Genre-Pflichterfüllung. Wer melodische Tiefe, saubere Produktion und eine gewisse emotionale Kühle mit Charakter schätzt, wird hier sehr gut bedient. Für mich ist ‚Hide In The Light‘ genau das richtige Album für jene Momente, in denen man merkt, dass Dunkelheit nicht laut sein muss, um Wirkung zu entfalten. Kein radikaler Umbruch, aber ein sehr überzeugendes Statement – und eines, zu dem ich deutlich lieber zurückkehre als zu manchem lauter beworbenen Szene-Release.
Fractal - Hide in the light
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