Texas hatte 2024 Trump gewählt, und Überraschungen waren leider Mangelware. Verlässlicher als jede Wahlprognose ist dort offenbar nur der Hang zum Bewährten. Dass ausgerechnet aus diesem politischen Biotop ein Album wie ‚ReSynth‘ stammt, ist fast schon subversiv. T-4-2 zeigen, dass man auch im konservativen Kernland hervorragend in der Vergangenheit wühlen kann – allerdings in der musikalisch deutlich attraktiveren. Synthpop statt Stillstand, New Wave statt Rückschritt: ‚ReSynth‘ klingt wie ein neonfarbener Kommentar zu einem grauen Wahlabend und beweist, dass elektronische Gegenwartskultur auch dort entstehen kann, wo man sie am wenigsten erwartet.
Musikalisch ist ‚ReSynth‘ ein konsequentes Cover-Album. ‚T-4-2‘ greifen ausschließlich auf bekannte Songs aus Rock, Pop und New Wave zurück und übersetzen diese vollständig in ihre eigene elektronische Sprache. Synthesizer übernehmen die Führung, Drum Machines setzen auf stoische Präzision, und Computer Voices sorgen für eine angenehm künstliche Distanz. Das Album versteht sich dabei weniger als nostalgischer Rückblick denn als kontrollierte Neuzusammensetzung – kühl, rhythmisch und bewusst reduziert.
Besonders reizvoll ist die Spannweite der gewählten Originale. ‚ReSynth‘ bewegt sich selbstbewusst zwischen düsteren Synthpop-Ikonen, britischer New-Wave-Ästhetik und klassischeren Rock- und Pop-Vorlagen, die ursprünglich kaum weiter von elektronischer Kühle entfernt sein könnten. Gerade bei eindeutig identifizierbaren Stücken wird deutlich, wie radikal ‚T-4-2‘ vorgehen: Melodien und Grundstimmungen bleiben erkennbar, doch ihre ursprüngliche Rohheit, Dramatik oder Gitarrenlastigkeit wird konsequent in synthetische Klarheit überführt. Was einst kantig, schroff oder emotional aufgeladen war, erscheint hier kontrolliert, rhythmisch und mitunter fast entwaffnend nüchtern. Diese Reibung zwischen Erinnerung und Neuform verleiht dem Album seinen Reiz und verhindert, dass ‚ReSynth‘ zur bloßen Nostalgieübung verkommt.
Der große Trumpf von ‚ReSynth‘ ist dabei seine stilistische Geschlossenheit. Trotz der sehr unterschiedlichen Ursprünge des Materials wirkt das Album wie aus einem Guss. Alles wird durch denselben elektronischen Filter gezogen, alles folgt derselben ästhetischen Logik. Gitarrenlastige Vorlagen verlieren ihre Schwere, düstere Stücke gewinnen an futuristischer Klarheit, poppige Momente werden mit einem feinen Maß an Ironie aufgeladen. Dabei schwingt stets ein leiser Humor mit: ‚ReSynth‘ weiß genau, was es tut, und nimmt sich ernst genug, um sauber produziert zu sein – aber nie so ernst, dass es verkrampft wirkt.
Natürlich ist nicht jede Idee über die gesamte Laufzeit hinweg überraschend. Das Album setzt auf Wiedererkennbarkeit, nicht auf permanente Eskalation. Doch gerade dieses kontrollierte Gleichmaß passt hervorragend zum Konzept. ‚ReSynth‘ will nicht überwältigen, sondern funktionieren – auf der Tanzfläche ebenso wie im Kopfhörerbetrieb. Besonders spannend ist dabei der Blick von außen: Ein texanisches Duo interpretiert überwiegend europäisch geprägte Synthpop- und New-Wave-Geschichte und verleiht ihr eine nüchterne, fast lakonische Coolness. Das wirkt weniger nostalgisch als vielmehr zeitlos und macht das Album auch im Hier und Jetzt relevant – als sympathischer Gegenentwurf zu algorithmisch glattgebügeltem Retro-Content.
‚ReSynth‘ ist damit ein Album für Hörerinnen und Hörer, die Synthpop nicht als reines Zitat verstehen, sondern als lebendige, formbare Sprache. Ideal für Nostalgiker mit Humor, für Clubgänger mit Faible für Elektronik und für alle, die bekannte Songs gern einmal konsequent neu gedacht erleben möchten. Für mich ist ‚ReSynth‘ kein revolutionärer Befreiungsschlag – aber ein cleveres, charmantes und angenehm selbstbewusstes Album. Eines, das zeigt, dass musikalischer Fortschritt manchmal darin besteht, die Vergangenheit einfach besser neu zu verkabeln.
Medienkonverter.de
T-4-2 - ReSynth
Zwei Schwergewichte, ein Abgrund: 'Penumbra' von 'Dawn Of Ashes' feat. 'Suicide Commando'
Am 23. Januar 2026 wurde es plötzlich merklich dunkler in meiner Playlist – und nein, das lag nicht an einem kaputten Bildschirm. Mit ‚Penumbra‘ schicken Dawn Of Ashes gemeinsam mit der Electro-Industrial-Legende Suicide Commando eine digitale Single ins Rennen, die ziemlich klar macht, dass 2026 nicht das Jahr der sanften Zwischentöne wird. Dass diese Kollaboration Gewicht hat, hört man ab der ersten Sekunde. Kristof Bathory, der Mastermind hinter Dawn Of Ashes, hat sein Projekt seit der Gründung im Jahr 2000 immer wieder neu erfunden – von aggressivem Industrial über Blackened Metal bis hin ...