Es ist einer dieser Titel, die man meint, in- und auswendig zu kennen – und die trotzdem noch Raum für kleine Verschiebungen lassen. „Moonlight Shadow“ bekommt von Samsas Traum keine radikale Neuerfindung, sondern ein leicht abgedunkeltes Gewand. Keine ironische Brechung, kein großes Umpflügen, sondern eine behutsame Annäherung mit klarer Haltung: Das hier ist nah am Original, aber bewusst ein paar Schritte weiter nach innen gerückt. Mit der neuen Single widmen sich Samsas Traum einem der langlebigsten Popklassiker der frühen 80er. „Moonlight Shadow“ ist ab sofort online und erscheint gleich in zwei Fassungen: Neben der englischen Version gibt es auch eine deutschsprachige Variante mit dem Titel „Nacht voll Schatten“. Zwei Sprachen, ein vertrautes Grundgefühl – Melancholie bleibt das Zentrum, wird aber leicht verschoben, minimal schwerer gewichtet.
Das Original stammt aus dem Jahr 1983 und wurde vollständig von Mike Oldfield geschrieben, sowohl musikalisch als auch textlich. Gesungen wurde der Song damals von Maggie Reilly, deren Stimme „Moonlight Shadow“ zu einem weltweiten Dauerbrenner machte. Ein Stück, das bis heute zwischen Pop, Folk und leiser Tragik balanciert und sich erstaunlich mühelos durch die Jahrzehnte trägt. Samsas Traum nähern sich dem Song mit Respekt und ohne museale Vorsicht. Die neue Version bleibt strukturell sehr nah am Original, wirkt aber einen Tick gedämpfter und emotional etwas dichter. Statt großer Gesten setzt die Interpretation auf Zurücknahme und Atmosphäre. Der Sound klingt weniger nach Hitparade, dafür stärker nach innerem Rückzug – nicht als Bruch, sondern als Verschiebung der Perspektive.
Besonders auffällig ist dabei die deutsche Version „Nacht voll Schatten“, deren Text ursprünglich sogar für Juliane Werding vorgesehen war. In Alexander Kaschtes Vortrag verliert der Song den vertrauten Pop-Glanz und rückt näher an jene leise Unruhe heran, die im Original immer schon mitschwang, dort aber sanfter verpackt war. Dass diese Veröffentlichung kein isolierter Ausflug ist, zeigt der Blick nach vorn. „Moonlight Shadow“ dient als Vorbote für das kommende Album Vota Tenebris Vol. I, auf dem meiner Recherche nach weitere Coverversionen früher 80er-Jahre-Songs versammelt sein werden. Spannend! Ein Projekt also, das weniger auf Umsturz als auf feine Verschiebungen setzt – und hoffentlich genau darin seinen Reiz entfalten wird. Unterm Strich liefern Samsas Traum keine Neudeutung mit der Brechstange, sondern eine kontrollierte Annäherung. „Moonlight Shadow“ bleibt klar erkennbar, wirkt aber leicht verdunkelt, etwas nach innen gezogen. Wer das Original schätzt und keine radikalen Experimente erwartet, dürfte genau darin den Reiz dieser Version finden.
80er-Ikone im Kaschte-Kosmos: Samsas Traum mit „Moonlight Shadow“
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