Sowas! Der Oktober bekommt Schulterpolsterpflicht: 'Purwien & Kowa' haben am 9. Oktober 2026 „Italo-disco in San Francisco“ veröffentlicht. Die Single ist nach „Concorde“ und „Hinter Glas“ der dritte Vorbote ihres sechsten Albums „Sechs“, das dann am 23. Oktober über Town & Towers Records erscheint. Wer beim Titel nur an italienische Disco denkt, sollte allerdings noch Platz für NDW und internationale Popgeschichte lassen.

Die beiden Sprachfassungen erzählen nämlich unterschiedliche Geschichten. Englisch begegnen uns 'Blondie', Falco, Phil Collins, Lady Di und Gorbatschow, dazu Anspielungen auf „Blue Monday“ und „Tainted Love“. Deutsch führt die Reise über Bahnhof Zoo und Westerland, vorbei an „Jeanny“, „99 Luftballons“ und „Da Da Da“. Im Refrain bekommt sogar jedes Genre einen geografischen Dienstsitz. Endlich weiß die EBM, wohin sie ihre Post schicken lassen soll.

Das Duo kennt die Epoche auch aus eigener Musikerfahrung: Christian Purwien war Mitgründer und Stimme von 'Second Decay', Thomas Kowa spielte bei 'No Comment'. Während der fünfjährigen Veröffentlichungspause nach „Fünf“ von 2021 bauten sie ihren Podcast „Disko 80“ aus. Dort waren unter anderem Joachim Witt sowie Mitglieder von 'Alphaville' und 'Camouflage' zu Gast. Die Nostalgie kommt hier also mit Gesprächsprotokoll.

Die digitale Single umfasst vier Tracks: beide Sprachversionen, einen knapp siebenminütigen deutsch-englischen Mashup-Mix und „Irgendwas ist immer“ als 12-Inch-Mix. Produzent Olaf Wollschläger betreute auch das elf Tracks umfassende Album. Darauf treffen neue Stücke auf eigene Vergangenheit: „Hinter Glas“ stammt ursprünglich von 'Second Decay', „Eyes Of Aragon“ aus Kowas Zeit bei 'No Comment'.

Für Sammler gibt es auf Bandcamp eine signierte Digipack-CD mit achtseitigem Booklet, limitiert auf 100 Exemplare. Wer vorher noch zurückblättern möchte: Wir haben „Vier“ bereits 2020 besprochen. Bis „Sechs“ erscheint, bleibt also Zeit fürs Wiederhören – und fürs Zählen der Anspielungen. Schulterpolster sind aber echt mal freiwillig.