'Gloomy', 'Dark', 'Melancholy' – Begriffe, die im elektronischen Underground gerne mal wie Gewürzsalz über alles gestreut werden was verkauft werden soll. Passt schon irgendwie immer. Bei 'Ee:man' allerdings treffen sie tatsächlich ins Schwarze. Hier wird nicht einfach düster getan – hier ist es düster. Reduzierte Strukturen treffen auf klar gesetzte industrielle Kanten, darüber legen sich atmosphärische Flächen, die sich eher langsam entfalten, statt sofort ins Gesicht zu springen. Das Ergebnis: ein musikalisches Universum, das bewusst unterkühlt bleibt und gerade dadurch eine ziemlich beeindruckende Tiefe entwickelt. Mit der EP 'Evolving Dome Of Madness', erscheint dann am 3. April 2026 über Tinnitorturous, treibt 'Ee:man' diese Entwicklung konsequent weiter voran – und bewegt sich hörbar tiefer in Richtung EBM und Electro-Industrial. Wichtig dabei: Wir sprechen hier bewusst von einer EP. Kein aufgeblähtes Statement, kein „wir packen alles rein, was geht“, sondern ein fokussiertes, kompaktes Release mit sechs Tracks und mit klarer Linie.
Was diese EP dann meiner Meinung nach besonders hervorhebt ist ihr Gefühl für Dynamik und Entwicklung. Statt direkt mit maximalem Druck zu starten, entscheidet sich 'Ee:man' für den deutlich interessanteren Weg: Aufbau. Die ersten Momente wirken beinahe bei jemdem Track zurückhaltend, fast schon ruhig – ein kontrolliertes Herantasten an die eigene Dunkelheit. Doch genau diese Zurückhaltung ist kein Zeichen von Schwäche, sondern Kalkül. Die Spannung wird Stück für Stück angezogen, die Atmosphäre verdichtet sich, und plötzlich steckt man mittendrin. Diese Entwicklung zieht sich zusätzlich auch noch wie ein roter Faden durch die gesamte EP. Anfangs noch geprägt von dunklen, fast ambienthaften Flächen, kippt der Sound zunehmend in klar strukturierte EBM-Rhythmen. Die Beats werden druckvoller, die Tracks greifbarer, die Energie spürbar körperlicher. Dabei bleibt die Produktion angenehm klar: nichts wirkt überladen, nichts unnötig verspielt – stattdessen präzise gesetzte Elemente, die genau wissen, wann sie wirken müssen.
Ein entscheidender Faktor für die Wirkung ist der Umgang mit Vocals. Klassischer Gesang? Nunja, natürlich Fehlanzeige. Stattdessen dominieren gesprochene, manchmal leicht verzerrte Passagen, die sich perfekt in das dystopische Gesamtbild einfügen. Das klingt stellenweise wie ein innerer Monolog auf Endzeitfrequenz – kühl, distanziert, aber gleichzeitig erstaunlich eindringlich. Diese Entscheidung sorgt dafür, dass die EP weniger wie eine Sammlung einzelner Songs wirkt, sondern eher wie ein zusammenhängendes Szenario. Besonders gelungen ist der Moment, in dem die EP endgültig anzieht - irgendwo ab Track drei würde ich das einordnen. Irgendwann ist Schluss mit Zurückhaltung – dann wird es schneller, direkter, druckvoller. Und genau hier entfaltet 'Ee:man' seine größte Stärke: Wenn EBM und moderner Electro-Industrial ineinandergreifen, entsteht eine Energie, die nicht nur funktioniert, sondern tatsächlich mitreißt. Es sind diese Passagen, in denen man merkt, wie viel Erfahrung inzwischen in diesem Projekt steckt. Fein!
Trotz aller Düsternis bleibt das Material dabei erstaunlich zugänglich. Immer wieder blitzen kleine, fast schon „popartige“ Akkordstrukturen auf – aber eben nur so weit, dass sie Orientierung geben, ohne die Atmosphäre zu verwässern. Das ist ein schmaler Grat, auf dem viele Acts scheitern. 'Ee:man' hingegen balanciert das ziemlich souverän aus. Und ja – jetzt kommt das kleine, unvermeidliche „Aber“. So stark die EP in sich funktioniert, so konsequent sie aufgebaut ist: Ein bisschen mehr Eskalation hätte ihr gut getan. Man wartet stellenweise darauf, dass alles einmal komplett auseinanderfliegt, dass die Kontrolle bewusst aufgegeben wird. Stattdessen bleibt 'Ee:man' stets Herr der Lage. Das ist handwerklich natürlich schon beeindruckend – aber der letzte Funke Wahnsinn, der alles auf ein neues Level hebt, fehlt mir hier dann doch noch ein kleines Stück.
Egal, 'Evolving Dome Of Madness' ist trotzdem eine durchdachte, atmosphärisch dichte EP, die vor allem durch ihren Aufbau und ihre Konsequenz überzeugt. Wer auf modernen EBM und Electro-Industrial steht, der nicht stumpf nach vorne prescht, sondern sich entwickelt und Spannung aufbaut, wird hier definitiv fündig. Unterm Strich bleibt ein starkes, in sich geschlossenes Release, das zeigt, wie sicher 'Ee:man' inzwischen in seinem eigenen Sound unterwegs ist. Die Richtung stimmt, die Atmosphäre sitzt, die Umsetzung ist auf den Punkt. Jetzt fehlt nur noch der Moment, in dem er sich vielleicht auch einmal traut, die Kontrolle komplett loszulassen. Dann wird aus „sehr gut“ vermutlich ziemlich schnell noch ein „zwingend“ werden.
Ee:man - Evolving Dome of Madness
Varmia - Lauks
Es gibt Bands, die spielen Black Metal – und es gibt 'Varmia'. Die Formation aus 'Olsztyn' in Polen bewegt sich seit ihrer Gründung durch 'Lasota' im Jahr 2016 irgendwo zwischen archaischem Ritual, kulturhistorischer Tiefenbohrung und der sehr konsequenten Entscheidung es wirklich niemandem zu leicht zu machen. Inspiriert von vorslawischen Einflüssen, dem Erbe der Region 'Warmia' und einer ordentlichen Portion polnischer Metal-DNA, haben sich 'Varmia' eine Klangwelt erschaffen, die mehr nach Erde, Rauch und Geschichte klingt als nach Studio, Preset und „passt schon“. Mit 'Lauks', erschienen am...
Nina Hagen - Highway To Heaven
'Nina Hagen' war ganz sicher noch nie die Künstlerin für halbe Sachen. Zwischen Punk-Ikone, Opernstimme und spiritueller Wanderpredigerin hat sie sich über Jahrzehnte ein eigenes Biotop geschaffen in dem Kategorien ungefähr so viel Bedeutung haben wie ein Tempolimit auf der Autobahn um drei Uhr morgens. Mit dem Album 'Highway To Heaven' biegt sie nun wieder sehr bewusst auf die spirituelle Spur ein – und das nicht als Nebenprojekt, sondern als klares künstlerisches Statement. Und ich sag’s direkt, wie es ist: Ich hatte ehrlich gesagt keine Ahnung, ob ich das Release beim Probehören lieben oder...