Kaltmiete. Warum geben sich Musiker so einen Namen für ihre Band? Hört man sich die facettenreichen Lieder und deutschsprachigen Texte des Indierock-Trios an, so versteht man: Hier interessieren sich sympathische Charaktere wenig für übliche Erwartungshaltungen.
Hörbar verwurzelt im Indierock der späten 1990er Jahre, nimmt man Kaltmiete angesichts ihrer eigenwilligen Texte nicht übel, dass sich die Songs manchmal gemächlich entfalten. Gitarre, Bass Schlagzeug. Als klassisches Power-Trio bauen Kaltmiete auf meist laute, getragene Gitarrensounds und melodiöse Arrangements. Alles folgt dabei eher einem gewissen Understatement - kein Hoch- glanz, keine bemühten Konzepte, dafür aber eigene Wege. So auch auf dem neuen Album „Auf Wiedervorlage“.
„Musikalisch geht die Band dabei durchaus anspruchsvoll vor, neben allerlei Vertracktheit bleibt aber immer auch Gelegenheit, mal in schweren Gitarrenakkorden und satten Grooves zu schwelgen. So bleibt Raum für ausgefuchste Arrangements, und bei aller Komplexität hört die Musik selten auf zu rocken.Chromatische Läufe und viel Moll sorgen für eine Stimmung, mit der man vielleicht nach dem Erstling "300 DM" von irgendwann in den Neunzigern auch nicht unbedingt gerechnet hätte, wenn man die Band nicht zwischendurch auch ab und zu mal live gesehen hätte.
Neben ebenso treffenden wie absurd komischen Textpassagen wie "statt saurem Regen Migrationshintergründe, Abgründe, nur zu ertragen in Jack Wolfskin" trifft man im Kaltmiete ́schen Kabinett der gereiften Indierocker auf das "Fräuleinwunder", das jeden Abend vor dem Spiegel singt, "weil sie glaubt, es könnte Winter sein, bis sie wieder singt", und auf den Typen, der sich heute einerseits statt wie Hendrix mehr wie Morrissey und andererseits "wie sonntags in Braunlage" fühlt. Man schmunzelt, fühlt sich aber auch ertappt.