David Bowie ließ 1978 seine Londoner Konzerte filmen. Dann gefiel ihm die Umsetzung nicht – und die Filmrollen bekamen einen ausgesprochen langfristigen Lagerplatz. Fast ein halbes Jahrhundert später wird daraus doch noch ein großer Auftritt: „David Bowie: Stage“ feiert nämlich am 14. Februar 2027 in der Berliner Uber Arena Weltpremiere. „Moonage Daydream“-Regisseur Brett Morgen hat das historische Material dafür aufwendig bearbeitet. Wer damals also kein Ticket bekam, hatte jetzt immerhin reichlich Zeit zum Sparen.
Hinter den Aufnahmen steckt Schauspieler und Regisseur David Hemmings, mit dem Bowie auch bei „Just A Gigolo“ zusammenarbeitete. Sein Konzertfilm blieb unveröffentlicht, während Bowie längst die nächsten Projekte verfolgte. Vergessen war er allerdings keineswegs: Schon 2003 erwähnte Bowies offizielle Website das zurückgestellte Werk. Die Geschichte wartete also seit Jahrzehnten auf ihre Fortsetzung. Brett Morgen stieß während seiner Arbeit an „Moonage Daydream“ auf das originale 35-Millimeter-Material. Einzelne „Heroes“-Aufnahmen verwendete er bereits in der Dokumentation. Für „Stage“ entwickelte sich daraus ein wesentlich größeres Vorhaben: Seit 2018 diskutierten Morgen und der Bowie-Nachlass über eine Präsentation in Arenen; 2024 kam Veranstalter Rob Hallett mit Wonderworld hinzu. Über Jahre wurden die Aufnahmen neu geschnitten, restauriert und farblich abgestimmt. Längere, ununterbrochene Einstellungen sollen dabei Bowies Bühnenpräsenz Raum geben.
Musikalisch führt „Stage“ zurück in eine Phase, in der Bowie seinem Publikum einiges zutraute. Die Isolar-II-Tour brachte die elektronischen Klangwelten von „Low“ und „Heroes“ mit älteren Songs zusammen. Gitarren, Synthesizer, Piano und elektrische Violine teilten sich die Bühne; mit Carlos Alomar, Adrian Belew, George Murray und Dennis Davis standen Musiker an seiner Seite, die diesen Wechsel zwischen Atmosphäre und Rockdruck tragen konnten. Das Londoner Repertoire reichte von „Warszawa“ über „Blackout“ bis zu „Station To Station“ und „Ziggy Stardust“. Besonders reizvoll: Bei den Konzerten wurde auch die erste Liveaufführung von „Sound And Vision“ dokumentiert.
Wer diese Auftritte bereits im Plattenregal stehen hat, muss deshalb nicht an seinem Gedächtnis zweifeln. „Welcome To The Blackout (Live London ’78)“ erschien 2018 mit Aufnahmen aus dem Earls Court vom 30. Juni und 1. Juli 1978. Das ursprüngliche Livealbum „Stage“ von September 1978 enthält dagegen Mitschnitte aus amerikanischen Konzerten. Die Londoner Musik ist somit schon zugänglich; nun bekommt das lange zurückgehaltene Filmmaterial seine große neue Präsentation. Dafür werden drei Leinwände, großformatige Projektionen und transparente LED-Bildschirme mit einer eigens gestalteten Lichtshow kombiniert. Verantwortlich dafür ist Patrick Woodroffe, der unter anderem mit 'The Rolling Stones' und Elton John gearbeitet hat. Oscarpreisträger Paul Massey steuert den räumlichen Tonmix bei. Mit 7.1-Surround und abgestimmter Beleuchtung soll die historische Aufführung den ganzen Raum einnehmen. Wie überzeugend daraus Konzertatmosphäre entsteht, wird sich bei der Premiere zeigen.
Dass diese mit Unterstützung der Berlinale ausgerechnet in Berlin stattfindet, passt zur Musik: „Heroes“ entstand 1977 in den Hansa-Studios nahe der Mauer, mit Tony Visconti, Brian Eno und Robert Fripp. Die Premiere fällt außerdem in das offiziell angekündigte „BOWIE80“-Jahr 2027 – am 8. Januar wäre Bowie 80 Jahre alt geworden. Die Weltpremiere beginnt am Sonntag, 14. Februar 2027, um 20 Uhr, Einlass ist ab 18 Uhr. Der Presale hat am 28. Oktober 2026 um 10 Uhr begonnen; der allgemeine Vorverkauf folgt am 30. Oktober um 10 Uhr deutscher Zeit. Eventim listet Tickets derzeit ab 76 Euro, gegebenenfalls zuzüglich Versandkosten. Damit bekommt eine Filmgeschichte, die 1978 begann, endlich einen ziemlich konkreten Termin.
David Bowie: Fast 50 Jahre Anlauf für „Stage“
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