Danheim - Heimferd

Danheim - Heimferd

Ich gebe es offen zu: Wenn ein Album mit Runen, Nebel und nordischer Frühgeschichte um die Ecke kommt, bin ich gleichzeitig neugierig und leicht skeptisch. Zu oft riecht das nach Baukasten-Mythologie. Bei 'Heimferd' von 'Danheim' ist das komplizierter – und genau das macht es interessant. Hinter dem Namen steckt der dänische Produzent Reidar Schæfer Olsen, also keine Band, sondern ein Einzelprojekt mit erstaunlicher Reichweite. Seit Jahren veröffentlicht er Musik zwischen Ambient, Elektronik und archaischer Ritualästhetik, sammelt Streams im sechsstelligen Bereich und schaffte es 2019 sogar in den Soundtrack der Serie 'Vikings'. Spätestens da war klar: Das hier ist kein Hobbyprojekt mehr, sondern Teil eines sehr gut geölten nordischen Klangapparats. 'Heimferd' soll so etwas wie die Essenz dieses Weges sein – eine Rückkehr, ein Innehalten, ein Blick zurück auf Herkunft und Identität. Große Worte also. Die Frage ist nur: Trägt die Musik dieses Gewicht auch über eine ganze Albumlänge?

Musikalisch macht 'Heimferd' vieles richtig – manchmal sogar zu richtig. Tiefe, schwebende Ambient-Flächen treffen auf schwere, erdige Rhythmen, darüber liegen Stimmen, Rufe und vokale Schichtungen, die eher beschwören als erzählen. Das funktioniert vor allem dann gut, wenn sich die Musik Zeit nimmt. Einige Passagen bauen eine dichte, fast greifbare Atmosphäre auf, bei der man unwillkürlich langsamer wird, leiser hört und sich hineinziehen lässt. Gleichzeitig bleibt der Eindruck, dass vieles sehr kontrolliert und technisch sauber produziert ist. Man hört, dass hier Maschinen am Werk sind, und man hört auch, dass die Stimmen stark bearbeitet wurden. Das kann man als bewusst stilisiert verstehen – für mich wirkt es stellenweise aber eher distanziert als geheimnisvoll. Die archaische Idee kollidiert manchmal mit der digitalen Realität, und nicht immer gewinnt dabei die Magie.

Spannend wird es dort, wo die Musik zwischen Ritual und Rhythmus schwankt. Einige Abschnitte entwickeln eine fast tranceartige Qualität, andere kippen in einen Zustand, den ich nur schwer greifen kann: zu langsam, um körperlich mitzugehen, zu druckvoll, um wirklich meditativ zu sein. Ich sitze dann da, höre aufmerksam – und frage mich trotzdem, wohin das Ganze eigentlich möchte. Genau hier verliert 'Heimferd' für mich an Fokus. Was dem Album insgesamt fehlt, ist irgendwie ein klarer dramaturgischer Bogen. Es gibt starke Momente, eindrucksvolle Klangbilder und immersive Phasen, aber wenig Entwicklung. Die Rhythmen ähneln sich, die Stimmungen kreisen, statt voranzugehen. Über einzelne Passagen freue ich mich sehr – über die komplette Laufzeit hinweg lässt meine Konzentration jedoch spürbar nach. Schade!

'Heimferd' ist somit ein Album für Menschen, die Atmosphäre über Struktur stellen und gerne in gleichförmigen, rituellen Klangräumen verweilen. Wer Projekte wie 'Wardruna' oder 'Heilung' schätzt, wird sich hier sofort heimisch fühlen und einzelne Momente sehr intensiv erleben. Für Hörerinnen und Hörer, die Spannung, Entwicklung oder klare Zielpunkte erwarten, dürfte das Album dagegen zu diffus bleiben. Meine persönliche Meinung: 'Heimferd' hat Atmosphäre, Tiefe und eine klare ästhetische Vision – leidet aber an seiner eigenen Gleichförmigkeit. Ein Album, das in Ausschnitten stark wirkt, als Ganzes jedoch etwas an Kontur verliert. Kein Fehltritt, aber auch kein Werk, das mich über die gesamte Distanz wirklich festhält.

Medienkonverter.de

Wir verwenden Cookies zur Optimierung unserer Webseite. Details und Einstellungen finden Sie in der Datenschutzerklärung und im Privacy Center. Ihre Einwilligung ist jederzeit widerrufbar. Soziale Netzwerke & Drittanbieter-Inhalte können angezeigt werden. Mit „Alle akzeptieren“ stimmen Sie (widerruflich) auch einer Datenverarbeitung außerhalb des EWR zu (Art. 49 (1) (a) DSGVO).