Man hört „The Twilight Robes“ nicht – man tritt hinein. In Nebel, Asche und flackerndes Feuerlicht. Schon die ersten Minuten fühlen sich an wie der Beginn eines alten Jahreszeitenrituals, bei dem niemand erklärt, was passiert, sondern alle instinktiv wissen, dass es ernst wird. Die anonymen Ukrainer von 'They Came From Visions' entwerfen hier kein klassisches Black-Metal-Album, sondern eine finstere Landschaft, in der sich Melodien langsam aus dem Boden schälen und ebenso langsam wieder darin verschwinden.
Veröffentlicht am 23. Februar 2024, wirkt „The Twilight Robes“ heute fast noch eindringlicher als zum Release. Vielleicht, weil es kein Album ist, das auf aktuelle Trends reagiert, sondern eines, das sich bewusst außerhalb jeder Zeit verortet. Atmospheric Black Metal bildet das Fundament, doch darüber liegen dichte Folk-Horror-Schichten, die eher beschwören als zitieren. „Lughnasadh“ öffnet das Ritual mit kontrollierter Zurückhaltung, bevor „Equinox Ablaze“ das Album endgültig entfacht: ein langer, glühender Track, der sich stetig steigert und dabei eine hypnotische Sogwirkung entwickelt, der man sich nur schwer entziehen kann.
Auch im weiteren Verlauf bleibt die Band konsequent. „Burning Eyes, Blackened Claws“ und „The Blissful Defeat“ setzen auf schwelende Spannungsbögen statt auf schnelle Explosionen, während „Petrified Immortality“ mit einer unerwartet emotionalen Tiefe überrascht. Spätestens hier zeigt sich, wie sicher ‚They Came From Visions‘ mit Dynamik und Atmosphäre umgehen. Der Titeltrack „Twilight Robes“ schließt den Kreis schließlich wie ein letzter Blick ins Feuer – erschöpft, aber seltsam erhoben. Aufgenommen von der Band selbst, gemischt von Voice of Gloom und gemastert von Voice of the Deep, klingt das Album organisch und roh, ohne an Klarheit zu verlieren. Das Artwork von Mykhailo Skop (Neivanmade) fügt sich perfekt ein und übersetzt die musikalische Dunkelheit in eine visuelle Sprache, die nichts erklärt und genau deshalb funktioniert.
Auch physisch ist „The Twilight Robes“ ein begehrtes Stück: CD im Jewelcase oder als limitiertes Digipak, Auflage 300 Exemplare, Teile davon bereits ausverkauft. Ein Album, das keine schnellen Antworten liefert, sondern Fragen stellt – und einen lange damit allein lässt. Genau darin liegt seine Stärke.
Dunkle Jahreszeiten, brennende Horizonte: ‚They Came From Visions‘ mit „The Twilight Robes“
Tod mit 47 Jahren: 3-Doors-Down-Sänger Brad Arnold gestorben
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Danheim - Heimferd
Ich gebe es offen zu: Wenn ein Album mit Runen, Nebel und nordischer Frühgeschichte um die Ecke kommt, bin ich gleichzeitig neugierig und leicht skeptisch. Zu oft riecht das nach Baukasten-Mythologie. Bei 'Heimferd' von 'Danheim' ist das komplizierter – und genau das macht es interessant. Hinter dem Namen steckt der dänische Produzent Reidar Schæfer Olsen, also keine Band, sondern ein Einzelprojekt mit erstaunlicher Reichweite. Seit Jahren veröffentlicht er Musik zwischen Ambient, Elektronik und archaischer Ritualästhetik, sammelt Streams im sechsstelligen Bereich und schaffte es 2019 sogar in...