Mensch trifft Maschine – und irgendwo dazwischen fühlen sich 'Robots Of The 80s' hörbar pudelwohl. Das Projekt rund um 'Heiko Wersing' ist dabei alles andere als eine nostalgische Spielerei: Hier steht ein Musiker und KI-Forscher am Steuer, der seit über zwei Jahrzehnten mit Robotik, lernenden Systemen und Zukunftsfragen arbeitet – und diese Gedanken ganz selbstverständlich in Pop übersetzt. Unterstützt von Bassist 'David L.' und einem erweiterten Line-up entsteht so kein Sci-Fi-Gimmick, sondern ein erstaunlich organisches Album. 'Logic Drama' wirkt wie der Versuch, die großen Fragen unserer Gegenwart in kompakte Synthpop-Miniaturen zu gießen – mal romantisch, mal kühl, mal mit einem leichten Augenzwinkern.
Musikalisch bewegen sich 'Robots Of The 80s' auf vertrautem, aber sehr bewusst gewähltem Terrain. Die DNA der frühen 80er ist unüberhörbar: minimalistische Synth-Strukturen, warme Vocoder-Stimmen, klare Basslinien und Melodien, die sofort hängen bleiben. Gleichzeitig vermeidet 'Logic Drama' geschickt den Retro-Kitsch. Das klingt nicht nach Museum, sondern nach Jetzt – nach einer Gegenwart, in der digitale Technologien längst Teil unseres Alltags geworden sind.
Der Sound bleibt meist reduziert, aber nie unterkühlt. Gerade diese Zurückhaltung sorgt dafür, dass Atmosphäre und Aussage wirken können. Statt Effekte zu stapeln, setzen die Songs auf Spannung, auf Wiederholung, auf kleine Verschiebungen – fast so, als würde ein Algorithmus langsam Gefühle lernen. Thematisch kreist das Album um digitale Sehnsucht, künstliche Empathie und die Frage, ob wir am Ende wirklich so viel freier sind als die Maschinen, die wir bauen. Besonders gut funktioniert dabei die Erweiterung durch 'Sylvia Wersing', deren Vocals dem Projekt spürbar mehr emotionale Tiefe verleihen. Die Stimme bringt Menschlichkeit ins System, ohne den konzeptionellen Rahmen zu sprengen. Auch stilistisch öffnen sich 'Robots Of The 80s': Neben klassischem Synthpop blitzen Italo-Disco-Energie, New-Wave-Melancholie und chiptunige Kälte auf – alles sauber eingebettet, nichts wirkt beliebig.
Was mir persönlich gefällt: 'Logic Drama' erklärt nichts mit erhobenem Zeigefinger. Das Album stellt Fragen, lässt Platz für eigene Gedanken und nimmt den Hörer ernst. Gleichzeitig macht es einfach Spaß – die Melodien funktionieren sofort, auch ohne sie bis ins Detail analysieren zu müssen.
'Logic Drama' ist ein Album für alle, die Synthpop lieben, aber keine Lust auf bloße Achtziger-Zitate haben. Wer 'Kraftwerk', 'Propaganda' oder 'The Human League' schätzt und gleichzeitig neugierig auf zeitgemäße Themen wie KI, digitale Identität und menschliche Nähe ist, wird hier bestens abgeholt. Für reine Retro-Puristen oder kompromisslose Clubgänger könnte das Album zu nachdenklich sein. Für mich ist 'Logic Drama' jedoch genau die Art von elektronischem Pop, die heute gebraucht wird: klug, eingängig, leicht melancholisch – und mit genug Humor und Menschlichkeit, um auch im Maschinenzeitalter nicht kalt zu wirken.
Robots of the 80s - Logic Drama
Danheim - Heimferd
Ich gebe es offen zu: Wenn ein Album mit Runen, Nebel und nordischer Frühgeschichte um die Ecke kommt, bin ich gleichzeitig neugierig und leicht skeptisch. Zu oft riecht das nach Baukasten-Mythologie. Bei 'Heimferd' von 'Danheim' ist das komplizierter – und genau das macht es interessant. Hinter dem Namen steckt der dänische Produzent Reidar Schæfer Olsen, also keine Band, sondern ein Einzelprojekt mit erstaunlicher Reichweite. Seit Jahren veröffentlicht er Musik zwischen Ambient, Elektronik und archaischer Ritualästhetik, sammelt Streams im sechsstelligen Bereich und schaffte es 2019 sogar in...
Zwischen Rhein und Rückblick – 'The SlimP' mit neuer Single „Winterday“
Der Rhein liegt still, die Luft ist kalt, und alles wirkt ein wenig schwerer als sonst. Genau in dieses winterliche Zwischengefühl aus Bewegung und Stillstand platzieren The SlimP ihre neue Single „Winterday“, die am 6. Februar 2026 erschienen ist. Ein Song, der nicht nach vorne prescht, sondern stehen bleibt – und genau dadurch hängen bleibt. Nach „Nothing To Forget“ aus dem letzten Jahr bleibt die Band ihrem aktuellen Kurs treu. Auch „Winterday“ setzt nicht auf Tempo, sondern auf Atmosphäre. Entstanden ist der Song bei einem Spaziergang am Rhein, Kopfhörer auf, Kälte im Gesicht, vertraute Mu...