Gerade erst hat man sich an das Dauerflimmern aus Reels, Retro-Filtern und 80er-Revival gewöhnt – und dann kommt ‘Carpenter Brut’ um die Ecke und zeigt, wie echtes Neon-Kino klingt. Am 27. Februar 2026 erscheint mit „Leather Temple“ das dritte und letzte Kapitel der sogenannten Leather-Trilogie. Vorbestellungen laufen bereits, ausgeliefert wird pünktlich zum VÖ-Datum – stilecht auch im Digipak.
Wer bei „Trilogie“ nur an lose verbundene Alben denkt, unterschätzt Franck Hueso alias ‘Carpenter Brut’. Die Leather-Reihe ist als durchgehendes Konzept angelegt – fast wie ein Soundtrack zu einem Film, den es (noch) nicht gibt. Den Anfang machte 2018 „Leather Teeth“, das die Geschichte rund um die Figur Bret Halford einführte – eine düstere, stilisierte Hommage an Glam-Metal, 80er-Actionkino und Synth-Exzesse. 2022 folgte mit „Leather Terror“ die aggressivere, brachialere Fortsetzung. Dort eskalierte die Story, wurde dunkler, brutaler, kompromissloser. „Leather Temple“ bildet nun das finale Kapitel dieser Saga und soll die Erzählung in eine futuristische, postapokalyptische Richtung weiterführen – zeitlich angesiedelt in einer dystopischen Zukunft.
Musikalisch bleibt ‘Carpenter Brut’ seiner Handschrift treu, erweitert sie jedoch konsequent. Das Genre wird offiziell mit Electro und Prog Metal angegeben – was im Fall dieses Projekts kein Marketing-Gag ist. Die Basis bilden nach wie vor synthetische 80er-Texturen, wuchtige Darksynth-Basslines und Industrial-getränkte Beats. Doch darüber legt sich eine fast progressive Dramaturgie: große Spannungsbögen, orchestrale Arrangements und eine cineastische Tiefe, die mehr an Endzeit-Blockbuster als an Clubtracks erinnert. Schon der Opener „Ouverture (Deus Ex Machina)“ deutet an, dass hier nicht einfach nur zehn Tracks aneinandergereiht werden, sondern ein Gesamtwerk gedacht ist. Titel wie „Major Threat“, „Start Your Engines“ oder „Speed Or Perish“ klingen nach durchgedrücktem Gaspedal, während „Neon Requiem“ und „Iron Sanctuary“ eher die dramatische, fast sakrale Seite betonen dürften. Mit „The End Complete“ setzt das Album schließlich ein deutliches Statement: Das ist kein Cliffhanger, das ist ein Schlussstrich.
Was ‘Carpenter Brut’ so besonders macht, ist die Balance zwischen roher Unmittelbarkeit und erzählerischer Größe. Seine Musik funktioniert im Club ebenso wie im Kopfkino. Sie riecht nach Lederjacke und Motoröl, nach Laserlicht und übersteuerter VHS-Kassette – und gleichzeitig nach sorgfältig komponierter Dramaturgie. „Leather Temple“ verspricht laut Ankündigung konstante Intensität im kompakten Format, ohne Leerlauf, ohne Füllmaterial Am 27. Februar 2026 wird sich also zeigen, wie dieses letzte Kapitel die Saga abrundet. Eines steht jetzt schon fest: Wer die ersten beiden Teile gefeiert hat, dürfte hier das große Finale erwarten. Und wer neu einsteigt, bekommt nicht nur ein Electro-Album, sondern den Soundtrack zu einem dystopischen Film, der in unseren Köpfen längst läuft.