Man muss dem Kind ja einen Namen geben! Wenn Bands (oder deren Promo-Agenturen) krampfhaft versuchen, über ein neu erfundenes Genre Aufmerksamkeit zu erheischen, endet das manchmal in eine peinliche Veranstaltung. Letzten Endes klingt der ganze Bums dann doch wieder so wie zig andere Combos es zuvor gemacht haben. Bei Ben Blutzukker aus den schönen Rheinland ist die Sache etwas anders gelagert. Die Defintion seiner Kunst setzt er aus seiner Vorliebe für Black Metal und dänischen Klemmbausteinen zusammen. Brick Metal nennt sich also das, was der Herr Blutzukker da macht.

Nun mag der geneigte Leser denken: "Hä? Wieso Klemmbausteine?" Und da kommen wir zur eigentlichen Kernkompetenz des Mannes, der sich die Musik mehr oder weniger zum Vehikel seiner geheimen Passion gemacht hat. Diese funktioniert vor allem dann wunderbar, wenn er zu seinen Songs Videos präsentiert, die er mit Stop-Motion-Technologie dreht und auf diese Weise dem Plastikspielzeug Leben einhaucht. So hat er den legendären ersten großen Hit der Ersten Allgemeinen Verunsicherung, "Ba- Ba- Banküberfall" von 1985, in eine breitbeinige Rocknummer umgemodelt und das Original-Video (sehr sehenswert) von seinen Legofigürchen nachspielen lassen (noch sehenswerter). Das gleiche Rezept wendet er ebenfalls erfolgreich bei "Crucified" von Army Of Lovers an.

Man merkt also schnell, dass Ben Blutzukker großen Spaß an dem hat, was er macht. Und so ist sein eigens kreiertes Genre eher als kleiner schelmischer Seitenhieb denn als ernstzunehmender Kategorisierungsversuch zu verstehen. Spannend ist sein Werdegang aber allemal, denn profunde Electro-Connaisseure werden den Namen Blutzukker bestimmt schon gehört haben. Bevor der Mann die creepy Gitarren für sich entdeckte, war er auf rein elektronischen Pfaden unterwegs und brachte ein paar klassische Electro-Gothic-Nummern heraus, die zwar kein Klischee ausließen, aber auch von einer gewissen Selbstironie durchzogen waren.

Die Themen seines früheren Projektes hat er hinübergerettet, wie man gleich beim Opener von "Build Your Idols" (welch putziger Titel im Rahmen der Legomanie Blutzukkers) hört. "Buffy - Im Bann der Dämonen", eine 90er-Fernsehserie par excellence, lässt sein Faible für Vampire einmal mehr durchscheinen. Doch wenn man das Intro mit dem Outro vergleicht, dass die Einmarschmusik des ehemaligen Wrestlinghelden Shawn Michaels zum Inhalt hat, scheint es den Mann nicht nur in die Vergangenheit, sondern speziell in die amerikanischen Gefilde zu ziehen.

Musikalisch winkt der Blutzukker Ben seinem alten Projekt noch einmal mit dem Song "Game Of Life" zu, der als einziger mit elektronischen Spielereien in der Rhythmussektion und dezentem Synthiegeflirre das sonst eher klassische Metal-Korsett aufbricht. Denn über Albumlänge dominiert die Gitarre das Geschehen; sie begleitet das angeschmirgelte Organ des Mastermind geradezu kongenial. Songs wie "Welcome To The Hellmouth", "Good Old Days" und "One By One" begeben sich dabei gar nicht erst auf irgendwelche kompositorische Exkursionen, sondern bieten klassischen Metal vom Fleck weg an, immer schön direkt auf die zwölf.

Und wie schon vorher erwähnt: Alles geschieht mit einer ordentlichen Portion Humor. Allein deswegen kann man "Build Your Idols" immer wieder und ohne Motivationsverlust anhören - Ben Blutzukker will in erster Linie auch Entertainer sein. Das gelingt ihm auf diesem Album besonders gut. Und überhaupt: Wer kann schon von sich sagen, Brick Metal zu spielen?