Mit ‘Beautifully Putrid Destiny’ veröffentlicht ‘Avantfrank’ sein drittes Album – erneut komplett in Eigenregie von Francisco Feliciano erschaffen. Das hört und sieht man. Hier steckt kein großes Label-Konzept dahinter, sondern eine klare künstlerische Handschrift. Synthpop mit dunklem Anstrich, persönliche Texte über gescheiterte Beziehungen, dazu eine Portion Nachdenklichkeit und leise Spiritualität. Ich mag solche Projekte. Sie wirken ehrlich. Ungekünstelt. Nicht auf Trend gebügelt. Und trotzdem war ich beim Hören neugierig: Entwickelt sich ‘Avantfrank’ weiter – oder bleibt alles im vertrauten Rahmen?
Der Einstieg mit ‘Fallen Love’ macht direkt klar, wohin die Reise geht: flotte Beats, klare Synthflächen und diese rauchige, angenehm warme Stimme, die sich sofort vertraut anfühlt. Auch ‘Friction To Fire’ bleibt in diesem Fahrwasser – ähnlich im Tempo, ähnlich in der Stimmung – ohne langweilig zu wirken. Es ist solider, moderner Synthpop mit dunkler Färbung, der gut ins Ohr geht. ‘Little Nightmares’ knüpft daran an und bestätigt den Eindruck: Hier weiß jemand, wie man Atmosphäre aufbaut, ohne sich in überladenen Arrangements zu verlieren. Alles wirkt sauber produziert, aufgeräumt und stimmig. Mit ‘Beautifully Putrid Destiny’ selbst wird es einen Tick ruhiger. Die Stimmung wird etwas gedämpfter, die Stimme bleibt im Mittelpunkt und trägt den Song mit dieser leicht verrauchten Gelassenheit, die dem Album insgesamt gut steht. Wirklich spannend wird es dann mit ‘A Candlelit Interlude’. Hier entsteht durch die beschwörende Stimme und das leise Kaminfeuerknistern ein fast intimer Moment, wie ein kurzes Innehalten im Halbdunkel. Das funktioniert als atmosphärischer Übergang sehr gut und bereitet den Boden für ‘Been Around’, wo es wieder etwas flotter zur Sache geht und die Beats erneut greifen.
Für mich sticht ‘You Were My Hero’ am deutlichsten hervor. Hier zeigt sich am meisten Qualität. Die Melodie ist schön, eingängig und bleibt tatsächlich hängen – genau der Moment, in dem man merkt, was in diesem Projekt steckt. Der Song wirkt etwas ruhiger, aber gerade das tut ihm gut. Er hat Tiefe, ohne pathetisch zu werden, und schafft es, Emotion und Melodie sauber auszubalancieren. Das ist mein persönlicher Favorit auf dem Album. Gegen Ende bewegen sich ‘Creations Of Earth’ und ‘Truth Sets Free’ auf solidem Niveau. Beide sind gut gemacht, atmosphärisch dicht, aber sie überraschen nicht wirklich. Man hört sie gern, doch der ganz große Aha-Moment bleibt aus. Zum Abschluss hebt sich ‘A Journey So Long’ noch einmal etwas ab. Der Song klingt sphärischer, weiter, fast wie ein ruhiger Epilog, der dem Album einen Rahmen gibt. Das ist ein schöner Gedanke und rundet das Gesamtbild stimmig ab.
Unterm Strich ist ‘Beautifully Putrid Destiny’ ein nettes, solides Album. Die Produktion stimmt, die Stimme ist durchgehend angenehm, der Sound bleibt homogen und nachvollziehbar. Es ist Musik, die man gut nebenbei hören kann, die nicht stört und nicht aneckt. Gleichzeitig fehlt mir persönlich ein wenig der Mut zum Risiko, der eine Platte wirklich unverwechselbar macht. Ich höre das Album gern und mit einem wohlwollenden Nicken – aber es reißt mich nicht vom Hocker und brennt sich auch nicht dauerhaft ein. Ein angenehmer Begleiter für melancholische Abende, aber kein Reißer, der lange nachhallt.
Avantfrank - Beautifully Putrid Destiny
Exsequor - Rattenkrieg
„Rattenkrieg“ – allein dieses Wort hat Gewicht. Historisch steht es vor allem für die Schlacht um Stalingrad, für Häuserkämpfe in zerbombten Ruinen, für Soldaten, die sich durch Keller, Schächte und Trümmer bewegten, immer nur wenige Meter vom Tod entfernt. Kein heroischer Mythos, sondern ein zermürbender Überlebenskampf zwischen Eis, Staub und widersprüchlichen Befehlen.Als ich den Titel zum ersten Mal gelesen habe, war mein erster Gedanke: Puh. Kann man das heute noch so nennen? Und genau dieser Moment des Innehaltens war der Grund, warum wir hier genauer hingehört haben. Eigentlich veröffen...
Après La Nuit - Partir ou rester
Beirut. Paris. Miami. Und ich mittendrin mit mehreren offenen Tabs und der leisen Frage, ob ich hier gerade eine Band recherchiere – oder drei verschiedene mit identischem Namen auf unterschiedlichen Kontinenten. Ganz ehrlich: Bei der Vorbereitung dieses Reviews bin ich kurz ins Schwimmen geraten. Unterschiedliche Herkunftsangaben, wechselnde geografische Bezüge – das wirkte zunächst irgendwie widersprüchlich. Tatsächlich erklärt sich das jedoch durch die Biografie von 'Richard Abdeni' und 'Marilyne B': libanesische Wurzeln, künstlerische Prägung in Frankreich und heute ein Lebensmittelpunkt i...