Aus der Warteschleife ins Datenkabel: ‘Room of Wires’ und „If No Other Means Are Effective“

Aus der Warteschleife ins Datenkabel...

Und noch was aus dem letzten Jahr, das wir Euch wirklich nicht vorenthalten dürfen – gerade jetzt, wo 2026 schon wieder dabei ist, mit neuen Releases um sich zu werfen, während die guten Vorsätze leise im Hintergrund verdampfen. Bevor dieser Release endgültig im digitalen Archiv verschwindet, lohnt sich der Blick zurück auf den 5. Dezember 2025. An diesem Tag erschien mit „If No Other Means Are Effective“ das vierte Full-Length-Album von ‘Room of Wires’ – nach einer Entstehungsgeschichte, die eher nach Abbruch als nach Veröffentlichung klang.

Geplagt von Problemen und Verzögerungen, stand das Album von Andrew Andrews lange unter dem Verdacht, niemals das Licht der Welt zu erblicken. Umso bemerkenswerter ist es, dass ‘Room of Wires’ am Ende den Alleingang wagten und das Werk selbst veröffentlichten. Erschienen ist das Album auf Bandcamp und nach aktuellem Stand ausschließlich digital – kein Vinyl, keine CD, kein Regalplatz, dafür maximale Kontrolle über den eigenen Output. Musikalisch bewegt sich „If No Other Means Are Effective“ klar im Electronic-Kosmos, jedoch ohne sich auf bequeme Genre-Grenzen zu verlassen. Die bekannten ‘Room of Wires’-Elemente sind vorhanden, wirken hier aber fokussierter, direkter und kompromissloser als zuvor. Präzise programmierte Rhythmen schieben unerbittlich nach vorne, schneiden, brechen ab und greifen neu an, während sich vielschichtige Melodien langsam festsetzen. Verzerrte, teils bewusst ausgedünnte Frequenzen treffen auf sorgfältig platzierte Found Sounds und formen dichte, kalte und zugleich erstaunlich lebendige Klangräume.

Über elf Tracks hinweg entfaltet sich ein Album mit einer Gesamtlaufzeit von 42 Minuten und 30 Sekunden (wenn ich mich nicht verrechnet habe), das Aufmerksamkeit einfordert und keine Hintergrundbeschallung sein will. Stücke wie „Around the Sun and Back“, „Kin Evil“, „Permission to Play“ oder das abschließende „After Sandman“ zeigen ein Projekt, das seine elektronische Sprache konsequent weiterdenkt, ohne sich erklären zu müssen. „If No Other Means Are Effective“ ist damit weniger ein leicht konsumierbares Release als vielmehr ein konzentriertes Electronic-Statement – spät erschienen, aber lange nachwirkend. Fein!

Aus der Warteschleife ins Datenkabel: ‘Room of Wires’ und „If No Other Means Are Effective“
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