Ad:Key - Der Böse Gott EP

AdKey - Der Böse Gott...

Gott ist tot, Gott ist neu, Gott ist… böse? Das Thema göttlicher Größenwahn hat in der elektronischen Musik eine kleine, aber feine Tradition. Bereits 1991 sorgten ‚Das Ich‘ auf dem Album Die Propheten mit ‚Gottes Tot‘ für hochgezogene Augenbrauen, nervöse Kirchengemeinderäte und nachhaltige Irritation im schwarzen Untergrund. Ein Jahr später legten ‚Oomph!‘ mit ‚Der Neue Gott‘ nach und zementierten das Thema endgültig zwischen Provokation, Pathos und Tanzflächen-Eskalation. Danach? Wurde es erstaunlich still im göttlichen Maschinenraum. Offenbar war erst einmal alles gesagt – oder niemand traute sich mehr so recht ran.

Umso besser, dass ‚AD:KEY‘ nun beschließen, die Sache wieder aufzumachen. Und wie. Statt eines einzelnen Songs gibt es gleich eine komplette EP, die den lieben Gott nicht neu erfindet, sondern ihn konsequent demontiert und neu zusammensetzt – als menschengemachtes Monster aus Technik, Hybris und kalter Effizienz. ‚Der Böse Gott‘ heißt das gute Stück, und der Titel ist dabei alles andere als Understatement. Zeit also, das Thema Gott endlich wieder dahin zu holen, wo es hingehört: in den Maschinenraum von EBM, Industrial und unbequemen Gedanken.

Nun, musikalisch bleibt ‚AD:KEY‘ damit ihrem klassischen Electro-Fundament treu: kantige Sequenzen, stoische Rhythmen, eine bewusst reduzierte Ästhetik und eine grundsätzlich düstere, eher schwerfällige Grundstimmung. Die EP wirkt konzeptionell geschlossen und klar fokussiert auf ihr Thema, was ihr zunächst durchaus zugutekommt. Allerdings zeigt sich im Detail, dass nicht jede Idee die gleiche Durchschlagskraft entwickelt. Der Opener ‚Der Böse Gott (Single-Edit)‘ kommt leider recht müde und schleppend daher. Die Atmosphäre stimmt, der Gedanke dahinter ist nachvollziehbar, doch musikalisch fehlt es mit erheblich an Spannung und Dynamik. Statt bedrohlich zu wirken, bleibt der Track für mich zu behäbig und zündet nicht wirklich. Auch ‚No Way Without You‘ kann daran wenig ändern. Der Song bildet zwar einen emotionaleren Kontrast, wirkt aber eher blass und bringt – zumindest für mein Empfinden – wenig Inspiratives mit. Hier bleibt vieles angedeutet, ohne sich festzusetzen.

Mit ‚Der Böse Gott (Rmx By Bagger 258)‘ kommt erstmals etwas mehr Druck ins Spiel. Der Remix schiebt aggressiver nach vorne, wirkt kompakter und entschlossener, bleibt für mich aber dennoch unterhalb der erhofften Eskalationsstufe. Ein solides Stück, ja – ein echtes Highlight leider nein. Am meisten Bewegung bringt ‚Der Böse Gott (Aktion:Fiasko Single-Edit)‘ ins Geschehen. Technoider, direkter und klar am tanzbarsten, ist dies der Moment, in dem die EP am ehesten ihre Club-Tauglichkeit ausspielt. Die weiteren Bearbeitungen pendeln anschließend zwischen „nett“ und „interessant, aber nicht zwingend“. ‚Der Böse Gott (Rmx By White Noise TV)‘ fügt sich unauffällig ins Gesamtbild ein, ohne besondere Akzente zu setzen. Deutlich spannender gerät dagegen ‚Der Böse Gott (Treibstoff-Rmx By MC1R)‘, der von allen Versionen am rohesten und dreckigsten klingt. Hier kratzt und scheppert es endlich, hier wirkt das Konzept auch klanglich am kompromisslosesten umgesetzt. Den Abschluss bildet ‚Psalm 121‘, der das Ganze ruhig und beinahe filmisch beendet und der EP einen klaren Schlusspunkt setzt. Ein passender Ausklang, der dem Thema eine letzte, düstere Klammer verpasst – und dann ist auch schon Schluss.

Schade, ‚Der Böse Gott‘ ist eine EP mit einem starken, zeitlosen Thema und einem grundsätzlich stimmigen Konzept. ‚AD:KEY‘ nähern sich dem Motiv des göttlichen Größenwahns respektvoll und durchdacht, bleiben musikalisch jedoch hinter den Möglichkeiten zurück, die frühere Releases aus den 90ern zu diesem Themenkomplex bereits ausgeschöpft haben. Gerade im direkten Vergleich wirkt vieles hier zu zahm, zu langsam, zu kontrolliert. Die Idee ist stark, die Umsetzung solide, meine Begeisterung hält sich am Ende jedoch leider spürbar in Grenzen.

Ad:Key - Der Böse Gott EP
Eingebettete Inhalte nicht verfügbar
Dieser Inhalt kann nicht angezeigt werden, da du der Verwendung externer Cookies und Inhalte von Drittanbietern nicht zugestimmt hast. Um das Video/Bild/etc. zu sehen, kannst du deine Cookie-Einstellungen hier anpassen. Weitere Informationen zu den verwendeten Diensten und deren Datenschutzpraktiken findest du in unserer Datenschutzerklärung. Vielen Dank für dein Verständnis.

Medienkonverter.de

Wir verwenden Cookies zur Optimierung unserer Webseite. Details und Einstellungen finden Sie in der Datenschutzerklärung und im Privacy Center. Ihre Einwilligung ist jederzeit widerrufbar. Soziale Netzwerke & Drittanbieter-Inhalte können angezeigt werden. Mit „Alle akzeptieren“ stimmen Sie (widerruflich) auch einer Datenverarbeitung außerhalb des EWR zu (Art. 49 (1) (a) DSGVO).