Zehn Jahre Wartezeit – dafür bekommt man andernorts nur noch einen Facharzttermin, bei 'Apoptygma Berzerk' ein digitales Album. Am 27. Oktober 2026 erscheint „Exit Popularity Contest“ erstmals regulär als vollständiger Digitalrelease. Das ursprünglich 2016 auf CD, Doppelvinyl und Kassette veröffentlichte Werk darf damit endlich ohne physisches Abspielgerät ins heimische Synthesizer-Universum einziehen. Der Anlass ist handfest: Laut Band sind die Rechte nach zehn Jahren zurückgefallen. Weil zudem die Lagerbestände erschöpft seien, folgt nun die digitale Veröffentlichung.

Wer bei den Norwegern um Stephan Groth sofort an große Futurepop-Refrains denkt, sollte für diesen Ausflug etwas anderes ins Handgepäck legen. „Exit Popularity Contest“ führt zu den elektronischen Wurzeln des Musikers: analoge Klangwelten, Berliner Schule und Krautrock bilden die Orientierungspunkte. Als musikalische Bezugspersonen stehen unter anderem 'Kraftwerk', 'Tangerine Dream', 'Jean-Michel Jarre' und 'Vangelis' im Raum. Die Nebelmaschine darf also bleiben, bekommt aber Gesellschaft von einem imaginären Raumschiff-Cockpit. Das weitgehend instrumentale Album bündelt überarbeitete Stücke aus den EPs „Stop Feeding The Beast“, „Videodrome“ und „Xenogenesis“. Dazu kommen zwei besondere Perspektiven auf „Until The End Of The World“, hier als „U.T.E.O.T.W.“ vertreten. Die zehn Tracks nehmen sich Zeit: Schon „The Genesis 6 Experiment“ überschreitet die Neun-Minuten-Marke. Wer Musik gern auf die Länge eines hektischen Scroll-Manövers reduziert, muss seinen Daumen also kurz arbeitslos melden.

Nachdem wir bei Medienkonverter bereits über viele Apop-Releases und auch über „Kathy’s Song XXV“ berichtet haben, rückt damit nun eine andere Seite von 'Apoptygma Berzerk' ins Licht. Hier zählt mehr die Lust am elektronischen Experiment. Der Download wird auf Bandcamp ab 8,50 Euro angeboten – zehn Jahre später ist der Weg zu diesem Kapitel Bandgeschichte immerhin deutlich kürzer geworden.