Man kann Futurepop totreden. Oder man kann ihn einfach gut machen. Sequence Vogue entscheidet sich mit 'Groundless Lives' sehr eindeutig für Letzteres. Kein Verstecken hinter Ironie, kein unnötiges Herumexperimentieren, kein „Wir machen das jetzt mal ganz anders“. Stattdessen: klare Beats, große Melodien, Haltung. Genau so funktioniert dieses Genre, wenn man es ernst nimmt – und nicht nur als Szene-Deko versteht.
Musikalisch ist 'Groundless Lives', wie schon vorsichtig angedeutet, Futurepop vom Feinsten. Der Einstieg mit 'Alone At Xmas' und 'I Was Born Too Late' fängt einen sofort ein und zieht einen mitten hinein in diese Mischung aus dunkler Euphorie, Melancholie und permanentem Vorwärtsdrang. Man ist schnell drin, fühlt sich abgeholt und merkt sofort: Hier weiß jemand genau, was er tut – und vor allem, warum. Beide Songs bauen Atmosphäre auf, ohne sich in Nebel oder Beliebigkeit zu verlieren, und setzen früh die Richtung für das gesamte Album. Mit 'Moddurn Edukayshun' geht es dann spürbar schneller zur Sache. Das Tempo zieht an, der Puls auch – und die zusätzliche Female Stimme wertet den Track nochmals deutlich auf. Sie bringt Abwechslung, setzt klare Kontraste und sorgt dafür, dass der Sound nicht zu glatt oder vorhersehbar wird. Genau solche Momente machen 'Groundless Lives' lebendig und zeigen, dass 'Sequence Vogue' mehr wollen als bloß solides Genre-Handwerk abzuliefern.
Mit 'Girl, Interrupted' wird man anschließend bewusst wieder etwas auf den Boden zurückgeholt. Weniger Druck, mehr Nachdenklichkeit – ein gut platzierter Ruhepunkt, der dem Album spürbar guttut. Lange bleibt man dort allerdings nicht, denn mit 'Femythism (Deconstructed Version)' wird das Tempo direkt wieder angezogen. Der Track wirkt nicht hektisch, sondern durchdacht und treibt das Album mit neuem Schwung nach vorne. Dieses ständige Wechselspiel zwischen Innehalten und Vorwärtsdrängen gehört zu den großen Stärken von 'Groundless Lives'.
Auch im weiteren Verlauf hält das Album sein Niveau mühelos. 'Disenchanted Times' fügt sich organisch ein, bevor mit 'Good Is The New Bad' eines der persönlichen Highlights folgt. Hier treffen eingängige Melodien auf eine klare, fast schon trotzig wirkende Grundhaltung, die lange hängen bleibt. Mit 'Climate Chains' wird das thematische Netz weiter gesponnen, bevor 'Nuclear Homes' für mich nochmals deutlich heraussticht – ein Track, der Atmosphäre, Aussage und Druck besonders überzeugend bündelt. Den Abschluss bildet 'Fatherless Doom', das den Kreis schließt, ohne pathetisch zu wirken. Statt eines großen Knalleffekts setzt der Song auf Nachhall – und lässt einen mit dem Gefühl zurück, ein geschlossenes, in sich stimmiges Album gehört zu haben.
Was mir persönlich besonders gefällt: 'Groundless Lives' drängt sich nicht auf, aber es fordert Aufmerksamkeit. Es funktioniert auf der Tanzfläche, keine Frage – lebt aber genauso gut im Kopfhörer, spät abends, wenn man bereit ist, sich wirklich darauf einzulassen. Die Produktion ist sauber, druckvoll, aber nie überladen. Alles sitzt, nichts nervt, und mit jedem Durchlauf entdeckt man neue Details. Genau so sollte moderner Futurepop klingen.
'Groundless Lives' ist ein Album für Menschen, die Futurepop nicht nur hören, sondern fühlen wollen. Für alle, die gerne tanzen, dabei aber nicht ihr Gehirn an der Garderobe abgeben. Wer melodische Elektronik mit dunkler Note, klarer Linie und spürbarer Überzeugung sucht, wird hier sehr gut bedient. Weniger geeignet ist das Release für Hörer, die ständig extreme Brüche, radikale Experimente oder maximale Härte erwarten. 'Sequence Vogue' bleiben sich treu – und liefern genau deshalb ein starkes, rundes und ehrliches Genre-Album ab. Für mich persönlich eines dieser Releases, bei denen man merkt: Futurepop lebt. Wenn man ihn lässt.
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Sequence Vogue - Groundless Lives
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