Abkehr - ... dem Willen zur Macht und dem Vergessen.

Abkehr - ... dem Willen...

Ich habe keine Ahnung, ob mir dieses Album gefällt. Wirklich nicht. Aber ich weiß ziemlich sicher, dass ich es nicht ignorieren kann. 'Abkehr' liefern mit '…Dem Willen Zur Macht Und Dem Vergessen' ein Black-Metal-Album, das sich eher nach innerem Zusammenbruch anfühlt als nach klassischem Genre – und genau deshalb bleibt es bei mir hängen. Wer 'In Blut' oder 'In Feuer' kennt, weiß ungefähr, worauf man sich einlässt. Hier geht es nicht darum, dir ein paar eingängige Songs hinzustellen. Das Ding zieht dich rein und lässt dich dann ziemlich alleine damit. Veröffentlicht wurde das Ganze über Vendetta Records – und das passt wie die Faust aufs Auge. Die Tracklist liest sich dann ganz befürchtet wie ein düsteres Theaterstück: 'Act I – Sturz', 'Act II – Zehrung', 'Act III – Verdikt', 'Act IV – Trutz', 'Act V – Abkehr' und am Ende 'Abgesang'. Und nein – hier wird nichts besser. Es wird nur konsequenter.

Schon der Einstieg mit 'Act I – Sturz' macht klar: Hier gibt es keinen sanften Anfang. Du bist sofort drin. Der Sound ist rau, dicht und irgendwie permanent in Bewegung, ohne wirklich irgendwo anzukommen. Black Metal ist zwar die Basis, aber nicht so, wie man ihn erwartet. Weniger Angriff, mehr ein langsames Zusammenfallen. Die Gitarren wabern eher, als dass sie klare Riffs liefern. Das Schlagzeug ist kein treibender Motor, sondern eher so ein unruhiger Puls, den man fast körperlich spürt. Was mir besonders aufgefallen ist: Die Musik will gar nicht nach vorne. Sie hält dich fest, lässt dich nicht los und kreist immer wieder um denselben Punkt. 'Act II – Zehrung' lebt genau davon – wenig Bewegung, aber viel Wirkung. Und wenn es mal kurz aufbricht, fällt alles direkt wieder in sich zurück.

Die Stimmung dabei ist schon speziell. Nicht einfach nur „dunkel“, sondern eher dieses Gefühl, wenn man nachts wach liegt und plötzlich merkt, dass alles irgendwie schräg ist. Das Album hat auch etwas Hypnotisches, zieht einen rein, ohne dass man genau sagen kann warum. Gleichzeitig wirkt es total roh und ungeschliffen. Der aehh... nennen wir es mal 'Gesang' passt da dann auch perfekt rein – kein klassisches Gekeife, sondern eher ein tiefes, gequältes Grollen, das mehr Druck macht als wirklich aggressiv zu sein. Je weiter das Album läuft, desto weniger hält es sich an irgendwelche Strukturen. 'Act III – Verdikt' und 'Act IV – Trutz' wirken fast so, als würden sich Ideen ständig aufbauen und direkt wieder zerfallen. Das ist anstrengend – keine Frage. Aber auch genau das, was den Reiz ausmacht. Irgendwann hört man nicht mehr aktiv zu, man steckt einfach drin.

Und dann ist da noch das Artwork. Dieses schwarze, nach unten ziehende Gebilde, irgendwo zwischen Rauchwolke oder was Organischem, passt erschreckend gut. Das ganze Release wirkt wie ein Strudel, der alles langsam nach unten zieht. Kein klares Bild, kein fester Punkt – genau wie die Musik. Man schaut drauf und denkt sich: „Okay… was genau passiert hier eigentlich?“ Und genau so fühlt sich das Album auch an. 'Act V – Abkehr' wirkt dann wie ein stiller Rückzug. Kein großes Finale, kein Knall. Eher so ein leises Aufgeben. Und 'Abgesang'? Das ist kein ruhiger Ausklang, sondern eher ein leiser, düsterer Moment, in dem im Hintergrund plötzlich diese verzweifelten Schreie auftauchen – nicht aufdringlich, aber genau so, dass sie hängen bleiben. Du merkst gar nicht richtig, wann es vorbei ist. Wenn du also Musik suchst, die sofort funktioniert, kannst du hier direkt weitergehen. Wenn du aber Bock hast auf etwas, das dich fordert, das dich vielleicht auch mal ratlos zurücklässt, dann solltest du dir die Tracks mit dem sperrigen Namen '…Dem Willen Zur Macht Und Dem Vergessen' definitiv anhören. Ich jedenfalls bin mir immer noch nicht sicher, ob ich das gut finde. Aber ich weiß, dass ich es nochmal hören werde. Und das sagt eigentlich schon alles.

Abkehr - ... dem Willen zur Macht und dem Vergessen.
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