Blackbook - Different

Blackbook - Different

Es ist also mal wieder Ostern. Draußen werden Eier gesucht, alles wirkt aktuell ein bisschen leichter, ein bisschen ruhiger. Und dann kommt da am 03. April 'Different' von 'Blackbook' um die Ecke – ein Album, das irgendwie eher nach Neonlicht und schlaflosen Nächten klingt als nach Familienkaffee und Hefezopf. Was mir bei meiner ersten Recherche schon aufgefallen ist: Die Szene ist sich hier ungewöhnlich einig. Egal wo man hinschaut, egal wo man liest, überall dieselben Aussagen. „Sehr eingängig“, „80s trifft Moderne“, „starke Atmosphäre“. Das ist immer so ein Moment, in dem man kurz innehält, verschnauft und denkt: Entweder ist das hier wirklich gut – oder alle haben denselben Pressetext abgeschrieben. Ich bin also schon mal mit ziemlich viel Spannung an das Album rangegangen. Und vielleicht auch mit dieser leichten Erwartung im Hinterkopf: „Na gut, dann zeig mal, was du kannst.“

Und ja – das Album kann was. 'Different' ist eingängig. Sehr eingängig. So eingängig, dass man sich irgendwann fragt, ob man das Album gerade hört – oder ob es längst beschlossen hat, bei einem einzuziehen und sich kommentarlos im Kopf breit zu machen. Mietfrei. Ohne Kündigungsfrist. Die Songs sind durchgehend kompakt, klar strukturiert und kommen schnell auf den Punkt. Meist keine langen Intros, kein unnötiges Drumherum. Das ist alles sehr effizient – so effizient, dass man sich kurz fragt, ob hier irgendwo noch Platz für Zufall vorgesehen war. Man merkt sofort: Hier sitzen Leute, die wissen, wie man Musik baut, die greift. Der Sound bewegt sich zwischen klassischem Synthpop und moderner Produktion. Diese 80er-Stimmung ist durchgehend präsent – warme Flächen, eingängige Melodien, eine einprägsame Stimme und ein leichter melancholischer Schleier über allem. Gleichzeitig klingt das Ganze modern genug, um nicht wie ein verstaubtes Revival zu wirken. Eher wie ein gut gepflegtes Update. Was mir beim Hören immer wieder aufgefallen ist: Das Album läuft sehr gleichmäßig durch. Es gibt keine echten Ausreißer. Kein Song, der plötzlich alles durcheinanderwirbelt. Kein Moment, in dem man denkt: „Okay, damit habe ich jetzt nicht gerechnet.“ Das ist angenehm. Wirklich. 'Different' lässt sich sehr gut am Stück hören. Es bleibt im Flow, ohne zu nerven. Aber genau da liegt auch der Haken. Es ist wie dieser eine Freund, der immer gut drauf ist, nie aneckt – aber eben auch nie komplett eskaliert. Und manchmal wünscht man sich genau das. Denn wo alles greift, fehlt manchmal genau das, was hängen bleibt. Dieses kleine bisschen Chaos. Dieser Moment, in dem etwas schiefgeht – und genau deshalb interessant wird.

'Blackbook' bleiben hier sehr bewusst auf der sicheren Seite. Sie machen nichts falsch. Aber sie wagen eben auch nicht besonders viel. Und das merkt man. Ein Song, der mal komplett ausbricht, sich danebenbenimmt oder kurz die Kontrolle verliert – das hätte dem Album meiner Meinung nach gut getan. Was mir persönlich wirklich gut gefällt – und was man hervorheben sollte – sind die ruhigeren, melodiösen Momente dieses Albums. Genau dort wirkt das Release für mich am stärksten. Wenn das Tempo leicht rausgeht und sich eine Melodie im Kopf festsetzt, entsteht plötzlich Raum. Atmosphäre. Gefühl. Diese Songs – beispielsweise 'Suffer In Silence' – wirken weniger geschniegelt, weniger durchgeplant. Dafür ehrlicher. Greifbarer. Fast so, als würde die Musik hier kurz aufhören, alles richtig machen zu wollen – und stattdessen einfach sein. Und genau das bleibt dann auch eher hängen.

Ein schönes Bild dafür liefert übrigens auch das Artwork: eine Fechtmaske, kühl und anonym, darüber ein Kranz aus roten Rosen – ein Motiv, das sich konsequent durch die gesamte visuelle Darstellung der Band zieht. Egal ob Singles oder Album: Immer wieder diese Masken, immer leicht verändert, aber im Kern gleich. Also irgendwo zwischen „Ich halte alles auf Abstand“ und „Ich fühl trotzdem alles“. Genau dieses Spannungsfeld spiegelt auch die Musik wider. Kontrolle auf der einen Seite, Emotion auf der anderen. Und manchmal hat man das Gefühl, dass die Maske ein kleines bisschen zu gut sitzt. Trotzdem: Das hier ist kein belangloses Release. Dafür ist die Stimmung zu stark. Dieses Thema „Anderssein“ wirkt nicht wie ein Marketingspruch, sondern passt zur Musik. Man nimmt dem Album ab, dass es ehrlich gemeint ist. Und ja, es gibt auch Songs, die richtig gut funktionieren. 'Suffer In Silence' oder 'Eternal Glory' sind für mich solche Momente, die sich Zeit nehmen und genau dadurch mehr Wirkung haben. Und 'Different' selbst? Geht sofort ins Ohr und bleibt da auch. Hartnäckig. Fast schon aufdringlich freundlich. Aber am Ende bleibt bei mir dieses Gefühl: Das Album ist gut. Wirklich gut. Aber es kommt diesem Punkt nie wirklich nahe, an dem es besonders wird.

Fazit: 'Different' ist ein rundes, gut gemachtes Synthpop-Album. Es macht Spaß, ist eingängig und macht vieles richtig. Für Fans von 'Depeche Mode' oder 'Duran Duran' ist das hier definitiv eine sichere Bank. Ich persönlich bin aber ein bisschen zwiegespalten. Ich bin nicht enttäuscht – dafür geht das Album zu oft auf. Aber ich bin auch nicht begeistert. Dafür fehlt mir das Risiko, das Besondere, dieser eine Moment, der wirklich bleibt. Am Ende bleibt ein Album, das man gerne hört. Aber auch eines, bei dem ich mir nicht sicher bin, ob ich mich in ein paar Jahren noch daran erinnern werde. Oder anders gesagt: 'Different' ist wie ein richtig guter Abend – nur einer, bei dem am Ende wenig übrig bleibt, außer dem Gefühl, dass es ganz nett war.

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