L’Âme Immortelle: „Dann habe ich umsonst gelebt“ – und unser Review lebt auch noch

L’Âme Immortelle Dann habe ich...

Vor 25 Jahren war das Internet noch langsam, Reviews kurz, und niemand hat sich damals dafür entschuldigt, dass ein Text eher nach Fan-Zettel im CD-Booklet klang als nach literarischem Feuilleton. Genau in dieser herrlich ungefilterten Zeit erschien unser Review zu L’Âme Immortelle und ihrem Album Dann habe ich umsonst gelebt. Ganz genau am 28. Januar 2001 – also gefühlt gestern, realistisch betrachtet aber in einem anderen Zeitalter – haben wir das Album besprochen. Und ja: Der Artikel ist heute 25 Jahre alt. Das ist länger als manche Bandkarriere, länger als einige Subgenres überlebt haben und ungefähr so alt wie der Moment, in dem man merkt, dass man plötzlich von „damals“ spricht.

Wenn man den Text heute liest, schwingt sofort dieser frühe-2000er-Charme mit: ein bisschen pathetisch, ein bisschen ehrfürchtig, sehr direkt. Keine Metaebene, kein Augenzwinkern – dafür viel Liebe zur Musik und zur Szene. Wir waren überzeugt, dass Dann habe ich umsonst gelebt ein besonderes Album ist. Spoiler: Das war keine Übertreibung. Schon damals schrieben wir über die erstmals eingesetzten klassischen Instrumente, über die emotionale Wucht, über Songs wie „Epitaph“, die eher trafen als nur gefielen. Dass der Text heute wie eine Zeitkapsel wirkt, ist kein Makel, sondern fast schon sein größter Reiz. Man liest ihn und hört im Hintergrund förmlich das Modem einwählen. Musikalisch markierte das Album 2001 einen entscheidenden Punkt für L’Âme Immortelle. Elektronische Härte traf auf organische Elemente, persönliche Texte auf ein fast schon konzeptionelles Erzählen über Schuld, Sinn und Endlichkeit. Das war keine schnelle Clubware, sondern Musik, die bleiben wollte – und geblieben ist. Rückblickend war Dann habe ich umsonst gelebt genau der Moment, in dem klar wurde, dass diese Band mehr vorhatte als nur den nächsten Szenehit.

Seitdem ist viel passiert. Hannes Medwenitsch verabschiedete sich kurz nach dem Album aus gesundheitlichen Gründen, Thomas Rainer und Sonja Kraushofer führten das Projekt als kreatives Zentrum weiter und entwickelten den Sound konsequent weiter. Spätere Alben wie Als die Liebe starb, Gezeiten, Namenlos, Momente oder Drahtseilakt haben gezeigt, dass L’Âme Immortelle nie stehen geblieben sind, sondern ihre Themen und Klangwelten immer wieder neu ausbalanciert haben. Spätestens mit In tiefem Fall und Ungelebte Leben wurde klar, dass hier keine Nostalgie-Maschine läuft, sondern eine Band arbeitet, die auch nach Jahrzehnten noch etwas zu sagen hat – über verpasste Chancen, innere Abgründe und die Kunst, trotzdem weiterzumachen.

Und wir? Wir haben uns natürlich auch verändert. Unsere Reviews sind inzwischen länger geworden, reflektierter, manchmal selbstironischer. Aber genau deshalb macht dieser 25 Jahre alte Artikel so viel Spaß. Er erinnert daran, wie unmittelbar Musik wirken kann, wenn man sie ohne Filter beschreibt. Kein SEO, kein Algorithmus, kein „Leser*innen dort abholen, wo sie stehen“. Einfach ein Album, ein Text und die Überzeugung, dass beides wichtig ist. Heute, ein Vierteljahrhundert später, darf man also ruhig schmunzeln über Formulierungen von damals – und gleichzeitig anerkennen, wie treffsicher das Urteil war. Dann habe ich umsonst gelebt ist kein Relikt, sondern ein Album mit erstaunlicher Haltbarkeit. Und unser alter Review? Der ist vielleicht nicht perfekt gealtert, aber genau das macht ihn sympathisch. Wie ein altes Szene-Shirt im Schrank: ein bisschen aus der Zeit gefallen, aber voller Erinnerungen.

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