Zu Wayne Hussey müssen an dieser Stelle wohl nicht mehr viele Worte gemacht werden. Kurz Mitglied der legendären Sisters Of Mercy und im Anschluss Gründungsmitglied und Sänger der nicht minder legendären The Mission, hat der bekennende Fan des FC Liverpool dieses Jahr seine einflussreiche Hauptband einmal mehr aufgelöst. Nach einer langen Tour, vier (!) Abschlusskonzerten im Londoner Shepherds Bush Empire und der DVD „The Final Chapter“ ist nun leider Schluss mit The Mission. „Bare“ ist ein typisches Soloalbum, wie es viele Musiker im Laufe Ihrer Karriere aufnehmen. Neuinterpretationen eigener Lieblingssongs, Neuinterpretationen von Songs der Hauptband und gegebenenfalls einige neue Stücke. In diesem Fall zeigt es die ruhige und akustische Seite des Wayne Hussey, wie man sie von seinen Solokonzerten kennt oder auch von der zweite Seite des Albums „Grains Of Sand“. Als Einstieg gibt es eine Coverversion der neben The Mission und The Sisters Of Mercy wohl bekanntesten britischen Genreband The Cure. „A Night Like This“ ist sehr gelungen, passt doch auch der Text prima zu den sonstigen Texten des Wahlbrasilianers Hussey und die Interpretation des verhältnismäßig flotten Originals als Ballade passt perfekt. Coverversionen bilden einen Schwerpunkt von „Bare“. Wie viele Musikerkollegen hat der Rotweinliebhaber immer wieder einige seiner Lieblingslieder in seine Livesets eingebaut und nun eben eine Reihe dieser Songs veröffentlicht. Neben „A Night Like This“ gefällt mir „My Funny Valentine“ (Sinatra) noch gut. Die Coverversion von „With Or Without You“ (U2) hingegen kann mich nicht überzeugen und auch „God Only Knows“ (Beachboys) erreicht mich nicht. „Ashes To Ashes“ ist eine der neuen Liveaufnahmen und lebt von der netten Einleitung Husseys und der Verve mit der er den Bowie-Klassiker vorträgt. Den zweiten Schwerpunkt bilden Neu- bzw. akustische Interpretationen von The Mission Klassikern aus verschiedenen Epochen. Und auch hier bleibt der leicht gespaltene Eindruck. Während ich die Liveversion des im Original großartigen „Kingdom Come“ teilweise abgehackt und geradezu unerträglich finde, ist zum Beispiel „Garden Of Delight“ großartig gelungen und mein absoluter Favorit auf „Bare“. Daneben überzeugt auch „Grotesque“ vom 2007er Album „God Is A Bullet“. Hier kommt das Händchen des Songwriters für Refrains gut zur Geltung. In den Credits schreibt Hussey über den einzigen wirklich neuen Song (der allerdings schon auf der CD-Beilage des Magazins D-Side veröffentlicht wurde), dass „One Things Leads To Another“ als eine Art Indikator für die musikalische Entwicklung nach The Mission gesehen werden kann. Er macht Lust auf mehr und Hoffnung darauf, dass sich Wayne Hussey bald zurückmeldet. Das erste Soloalbum nach dem Ende von The Mission ist in erster Linie ein Schmanckerl für die Fans des charismatischen Briten und aufgrund des Akustik-Charakters nicht mit den regulären Alben von The Mission zu vergleichen. Unter diesem Aspekt ist es meiner Meinung nach auch fast logisch, dass nicht jeder Song überzeugen kann. Etwas gemein ist natürlich, dass diejenigen, die sich „Bare“ schon auf einem der Konzerte gekauft haben, jetzt mit vier neuen Liveaufnahmen geködert werden. Aber echte Fans werden Ihrem Liebling auch das verzeihen und „All Tangled Up in You“ live ist auch eine gute Ausrede hierfür;-)