Der Ticketverkauf für das Wave-Gotik-Treffen 2026 ist gestartet – und kaum waren die Preise bekannt, ging es in den sozialen Netzwerken natürlich schon wieder ordentlich zur Sache. 190 Euro Eintritt, dazu Camping-, Park- und Wohnwagenkarten extra: Für manche ein Schlag ins Portemonnaie, für andere längst überfällig nach Jahren stabiler Preise. Doch mitten in der hitzigen Diskussion geht ein Punkt gerne unter: das schiere Ausmaß dessen, was man für dieses Geld tatsächlich bekommt. Aktuell haben 136 Künstlerinnen und Künstler ihren Auftritt zugesagt. Hundertsechsunddreißig! Das ist kein Marketing-Gag, sondern ein Programmumfang, den man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen muss. Natürlich kann niemand alles sehen, niemand hetzt realistisch von Konzert zu Konzert und erwischt jede Bühne. Aber genau darin liegt doch auch der Kern des WGT: Auswahl statt Zwang, Entdeckung statt Pflichtprogramm. Parallel laufende Konzerte, Lesungen, Sonderformate, Kirchenauftritte, Clubnächte – das Festival ist weniger lineare Abfolge als vielmehr ein musikalisches Labyrinth.
In der aktuellen Preisdiskussion wird dann gerne auch mit Vergleichen zu anderen Festivals argumentiert: Ein oder zwei große Bands, ein Wochenende, ein Hauptgelände – fertig. Rechnet man dort den Ticketpreis auf die tatsächlich spielenden Acts herunter, relativiert sich manches erstaunlich schnell. Beim WGT hingegen verteilt sich das Budget auf ein dichtes, genreübergreifendes Programm, das von Szenegrößen über Kultnamen bis hin zu obskuren Nischenperlen reicht. Wer hier fündig werden will, muss nicht hoffen – er wird eher vor die Qual der Wahl gestellt. Ja, 190 Euro sind viel Geld. Und ja, Unterkunft und Anreise kommen obendrauf. Aber betrachtet man die Anzahl der Konzerte, die theoretisch möglichen Erlebnisse und die schiere Vielfalt, stehen die Preise am Ende doch erstaunlich vernünftig da. Das WGT ist kein „einmal zur Bühne und wieder heim“-Festival, sondern ein viertägiger Ausnahmezustand mit mehr Musik, als man verarbeiten kann. Unterm Strich bleibt somit meiner Meinung nach: Die Diskussion ist legitim, die Kritik nachvollziehbar. Doch wer nüchtern rechnet – oder sich einfach anschaut, wie viele Bands bereits bestätigt sind –, merkt schnell, dass das WGT 2026 nicht weniger geworden ist. Eher im Gegenteil.
Wave-Gotik-Treffen 2026: Der Preis, die Debatte und das riesige Line-up
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