Was habe ich mich mit dieser CD gequält... Seit einigen Wochen liegt „Via regia“, das zweite Album der deutschen Formation Vox Celesta bei mir herum und bei jedem Durchlauf reagiere ich gestresster, wenn ich daran denke, daß daraus noch eine Review werden soll. Warum? Nun, Vox Celesta stehen für wirklich nett gemachten Elektro-Pop der Marke Melotron, der recht ordentlich produziert worden ist und jede Menge Spaß machen könnte. Vox Celesta stehen aber leider auch für einen Sänger, der mit seinem Organ und den Texten fast alles wieder kaputtmacht. Also gut, nun habe ich ja schon angefangen: Musikalisch erwarten den Hörer über 70 Minuten elektronische Musik, die sich absolut hören lassen kann. Bis auf zwei unnötige Instrumental-Lückenfüller treffen schöne Melodien auf sauberes Drum-Programming: Daumen hoch für die instrumentale Fraktion! Aber beim Elektro-Pop ist nun einmal die Stimme das wichtigste Element, alles dreht sich um den Sänger und die Dinge, die er vermitteln möchte. Inhaltlich sind Vox Celesta dabei recht ambitioniert – sie wollen den Hörer mit ihrer Musik dazu auffordern, sich mehr mit sich selbst zu beschäftigen. Die Suche nach dem Ich und das hinterfragen der eigenen Person, ein sehr schönes Leitmotiv wird mit auf den Weg gegeben : „Stärke den Glauben an dich selbst“. Doch so schön das textliche Vorhaben ist: auch hier gibt es schon einige Punkte, an denen man zu schlucken hat, denn die Umsetzung ist manchmal doch sehr belehrend und gekünstelt. Dann kommen noch einige „Reim-dich-oder-ich-fress-dich“Zeilen und ein zer-/gestückelter Satzbau hinzu.... da wäre mehr Arbeit an einer Minimalisierung gold wert gewesen, denn oft ist der Inhalt zu aufgeblasen um wirklich zum Nachdenken anzuregen. ...und dann der Gesang. Zum einen klingt der Gesang so, als ob er kaum produziert auf die CD gebannt wurde und sich so ein recht seltsames musikalisches Bild entwickelt, weil die Instrumentierung so professionell erscheint. Und dann ist DD einfach kein großes Gesangstalent. So leid es mir tut, aber schwach auf der Brust, häufiges neben der Tonlage liegen, schnell aus der Puste kommen und deprimierende Kraftlosigkeit und Monotonie in der Klangfarbe passen so gar nicht zum textlichen Konzept und zu diesem Musikstil. Und dann werden oft auch noch Wörter falsch betont, nur um sie besser ins Versmaß einzubauen.... Und bei der Masse an Liedern gibt es zwar das eine oder andere nette Lied („Begreifen“, „Steuermann“ und „Zu weit“) zu hören, aber leider auch völlige Rohrkrepierer wie der David McWilliams Coversong „So lebte Pearly Spencer“ (Wie kommt man auf die Idee, ein Lied wie in der Volksmusik stur ins Deutsche zu übersetzen, auch wenn es dann eben inhaltlich etwas seltsam anmutet?). Vor dem nächsten Album wäre ein Aufenthalt in einer Gesangsschule eine klasse Idee (denn tendenziell kommen beim Gesang durchaus ausbaufähige Töne heraus). Ein rein instrumentales Album hätte wohl 4,5 Punkte bekommen, die gleichen Texte bei anderem Gesang 4 Punkte. Aber so, wie „Via regia“ nunmal klingt werden es dann nur drei (mit einem großen Bonus für die Programmierung und die ambitionierte inhaltliche Idee). Schade eigentlich...