‘Vexillary’ verbindet auf 'Digital Suspiria' Techno und EBM

‘Vexillary’ verbindet auf 'Digital Suspiria'...

Man stelle sich einen Club vor, der eher einem Tempel gleicht: Kabel statt Kerzen, Beats statt Gebete, Stimmen wie fragmentierte Beschwörungen. Genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich Digital Suspiria. Was hier entsteht, ist kein Ort der reinen Eskapismus-Elektronik, sondern ein unruhiger Zwischenraum, in dem sich Körper, Maschine und Emotion gegenseitig aufladen – und manchmal auch kurzschließen.

Hinter ‘Vexillary’ verbirgt sich Vexillary, das Langzeitprojekt des New Yorker Produzenten Reza Seirafi. Ein früherer Chemiker und Parfümeur, der seine alte Profession hörbar nicht einfach abgelegt hat. Seine Musik funktioniert wie eine hochkonzentrierte Essenz: präzise, dicht und ohne überflüssige Verdünnung. Seit über einem Jahrzehnt verfeinert Seirafi seinen Sound zwischen Techno, EBM, Darkwave und Industrial, stets getragen von Spannung, Melancholie und einer kontrollierten inneren Unruhe. Mit der Gründung seines Labels Con:Trace im Jahr 2021 hat er diesem Ansatz zusätzlich Raum gegeben, etwa auf Releases wie Full Frontal Lunacy oder dem schwer atmenden Dub-Trip Horror in Dub.

Am 20. März 2026 erscheint nun Digital Suspiria – und wirkt wie die konsequente Zuspitzung dieser Entwicklung. Die Strukturen sind schärfer, die Melodien klarer konturiert, ohne dass der Sound an Dunkelheit oder Tiefe verliert. Technoide Energie trifft auf okkulte Unterströmungen und einen kalten, beinahe klinischen Glanz. Stimmen tauchen auf wie beschädigte Übertragungen, Grooves pulsieren mit gezügelter Aggression, alles wirkt eng verzahnt und bewusst gesetzt.

Statt einer klassischen Erzählung arbeitet das Album über Atmosphäre. Themen wie spirituelle Wiederholung, Maschinenverehrung und emotionale Schaltkreise laufen unterschwellig mit und verleihen dem Album eine geschlossene Spannung. Singles wie „Pardon Me“ und „Kill Shot“ zeigen bereits diese Mischung aus Konfrontation und Verletzlichkeit, während der kommende Track „1000x“ den menschlichen Kern unter der Chromoberfläche weiter freilegt. Digital Suspiria ist kein schneller Clubmoment, sondern ein Techno-Ritual für lange Nächte – und noch längeres Nachhallen.

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