Manchmal stolpert man über ein Album, ohne die Band vorher auch nur ansatzweise auf dem Schirm gehabt zu haben – und genau so ging es mir mit ‘Silent Devotion’. Kein großer Name, kein Szene-Dauerbrenner, sondern ein Projekt, das mir durch Eigenrecherche und durch die Veröffentlichung von ‘A Quiet Form Of Collapse’ aufgefallen ist. Herausgebracht wurde das Album über Dekonstruktion Records aus Tampa, Florida – ein Label, das offenbar ein gutes Händchen für düstere, aber melodische Sounds hat. Neugier war also da, Erwartungen eher nicht. Umso schöner, wenn man dann positiv überrascht wird.
Musikalisch bewegt sich ‘A Quiet Form Of Collapse’ klar im Spannungsfeld zwischen frischem New Wave und Post-Punk. Schon der instrumentale Opener ‘Dead Air At Midnight’ zeigt, wo die Reise hingeht: eine eingängige, fast elegante Melodie, kühl, aber nicht kalt, die sich sofort im Ohr festsetzt. Kein Lärm, kein Chaos – einfach ein stimmiger Einstieg. Dieses Prinzip zieht sich durch das komplette Album. Die 18 Tracks sind stilistisch sehr nah beieinander und erinnern immer wieder an eine charmante Mischung aus Italo Disco und poppigen Momenten der guten 80er Jahre. Synthesizer und Basslinien tragen die Songs, alles wirkt aufgeräumt, kontrolliert und bewusst reduziert. Genau darin liegt auch der Reiz: Die Musik will nicht überwältigen, sondern begleiten.
Die meisten Stücke sind instrumental gehalten, was erstaunlich gut funktioniert. Wenn Gesang auftaucht, dann sparsam und mit ordentlich Hall versehen, eher schwebend im Hintergrund als im Vordergrund. Die Stimme wird hier klar als weiteres Klanginstrument eingesetzt, was besonders bei ‘Nothing Moves Here’ sehr schön zur Geltung kommt. Das Album bleibt dadurch atmosphärisch dicht, ohne sich aufzudrängen. Natürlich kann man anmerken, dass sich fast alle Tracks ähneln. Große stilistische Ausreißer oder echte Brüche gibt es nicht. Ja, das ist ein bisschen schade – aber gleichzeitig sorgt genau das für einen sehr gleichmäßigen Flow. Ich habe mich jedenfalls dabei ertappt, das Album komplett durchlaufen zu lassen, statt nach einzelnen Highlights zu suchen.
‘A Quiet Form Of Collapse’, veröffentlicht am 31. Januar 2026, ist für mich eine überraschend gelungene Veröffentlichung. Ideal für Fans von New Wave und Post-Punk, die Melodien, Atmosphäre und Zurückhaltung schätzen. Wer Lust auf ein geschlossenes, peppiges Album mit 80er-Flair hat, sollte definitiv reinhören. Und dann wäre da noch der Preis: 18 Tracks ab 1 Euro bei Bandcamp. Ganz ehrlich – günstiger kann man kaum entdecken, dass eine einem bisher völlig unbekannte Band plötzlich ziemlich gut gefallen kann.
Medienkonverter.de
Silent Devotion - A Quiet Form Of Collapse
‘Vexillary’ verbindet auf 'Digital Suspiria' Techno und EBM
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