Ich glaube, es war im August letzten Jahres. Ploetzlich tauchten, wie so oft, Geruechte ueber einen neuen Depeche Mode Remix auf. Tiga, der Electro-House Virtuose aus Canada, der auch an die zweite Singleauskoppelung des damals noch in weiter Ferne scheinenden naechsten Depeche Mode Albums gelassen werden sollte, versuchte sich also angeblich an Shake The Disease. Bald tauchte auch ein Sample davon auf und, naja, die Begeisterung hielt sich in Grenzen, denn ich war anderes von Tiga gewohnt - verspielten spritzigen frischen freundlichen Electro, hier leider nicht zu finden. Acid aehnliches Gewabere, das nur zweimal mal beim Refrain Abwechsung findet. Der Sound ist auch nicht gerade maechtig, warten auf die volle Version war angesagt. Aber als alter Depeche Mode Hase wollte ich den Mix natuerlich trotzdem haben :-) Das Ganze wurde damals im Rahmen einer neuen Compilation angeleiert. Future Retro sollte sie heissen und im Herbst erscheinen, bekannte Nummern aus den 80ern im Remix aktueller Groessen der internationalen Electro- und Tech-House Szene... Leider verschob sich das Veroeffentlichungsdatum noch einige Male, aber die Tracklist des Projekts schaute sehr vielversprechend aus, interessanterweise war auf der Doppelvinyl einiges anders, als auf der CD. Noch glaubte ich an Schreib- oder sonstige Fehler. Aber es wurde wirklich stark zwischen den CD und den Vinyl-Usern differenziert. Respect! Ende Januar dieses Jahres war es dann soweit. Future Retro wurde - bislang nur in den USA - veroeffentlicht. Zu den mir Bekannten Nummern zaehlen Tracks von Erasure, The Cure, Yaz, INXS, Echo And The Bunnymen, Alphaville, New Order, Morissey und natuerlich Depeche Mode. Einige mir bis dato verwehrte Helden vergangener Tage sind auch darunter. Bei den Remixern schaut es aehnlich aus, vertraute Namen, wie Tiga, Adam Freeland, Richard X, The Crystal Method oder Peter Black liessen einiges an Erwartung in mir aufkommen, aber auch die mir unbekannteren Produzenten haben ihren Job ganz gut gemacht, darunter auch Bill Hamel, der wahrscheinlich die kommende Depeche Mode Single bearbeiten wird. Zum Gesamtwerk noch zu sagen: Am herausragendsten sei Adam Freeland's Version von Nowhere Girl zu erwaehnen, die Nummer baut sich sehr langsam mit verzerrtem Sound auf und gipfelt dann in schoenen Flaechen begleitet von den Vocals des Originals, sehr zu empfehlen. INXS im Remix lassen sich auch sehr gut hoeren, wobei hier der lange Mix der Vinyl das bessere Intro hat, naemlich das, der alten 12"! Eigentlich driftet kein Mix vom Original zu weit weg, einzig Grandmaster and Melle Mel (Kennt die wer?) kommt im Elite Force Treatment sehr breakbeat-lastig daher bzw. wie bereits erwaehnt, der abstraktere Depeche Mode Track. Und, wer haette es gedacht, je oefter man sich den Tiga Mix von Shake The Disease reinzieht, umso besser wird er auch :-) Richard X, ebenso bekannter Depeche Mode Remixer, hat sich gleich an zwei Liedern vergehen duerfen, wobei es leider nur ein Mix auf die Vinyl geschafft hat. Seine Interpretation von Yazoo's Situation ist sehr gelungen, Discovibes muten sofort zum Tanz an, aber eben leider nur von der CD. Wobei man diese Taktik sicher befuerworten kann. Die Versionen auf der Platte sind fast alle die extended Versionen der Pendants auf der CD. Da waren wohl ein paar klassische Vinyl-DJs mit im Team :-) Negativer Aspekt natuerlich: Man muss sich wieder beide Versionen holen. Aber im Gegensatz zur Veroeffentlichungspolitik mancher englischen Combo, die zu jeder Single eine Pimpifax 2-Track Single und Remixes gesondert auf DVD (!) rausbringen, wollen wir hier nochmal ein Auge zudruecken g