Zwar sind die 80er noch nicht endgültig ausgeschöpft, und der siebte Teil von so80s ist in der Vorbereitung, Blank and Jones haben jedoch den Schritt ins nächste Jahrzehnt gewagt und präsentieren nun – wer hätte es gedacht – den ersten Teil von so90s. Das Konzept ist ein wenig anders, denn im Gegenteil zu den 80er Compilations geht es hier nicht maßgeblich um Maxi-Versionen, die in den 90ern in der klassischen Extended Version ja sowieso nur noch teilweise präsent war. Stattdessen verwenden die DJs genau die Versionen, die ihnen am passendsten erscheinen. Im Interview auf dem Medienkonverter letztes Jahr antworteten Blank and Jones auf die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer so90 Compilation: ‚Die 90er waren auch großartig, sowas wie Massive Attack, Deelite, Leftfield etc. war großartig. Es ist halt schwer da die richtige Mischung zu finden, weil die Stile schon sehr auseinander gingen … Techno, Eurodance, Heavy Metal, Trip Hop, Rap … und es war das digital Zeitalter … es ist also fast alles verfügbar. Mal sehen - wir haben eine sehr schöne Test-Tracklist die wir Freunden immer mal wieder vorspielen…’ . Die Freunde fanden’s anscheinend gut, denn schließlich liegen drei CDs auf meinem Schreibtisch, die genau dies abbilden: eine zunächst irritierende Zusammenstellung! Neben klassischen Synthpop-Songs von St Etienne, Electronic und New Order findet sich Mainstream wie Simply Red, Britpop, Rave, Trance-Pop, Chill-Out, Funky Beats und vieles mehr. Nicht so ganz das was sich der MK-Hörer unter einem guten Sampler auf den ersten Blick vorstellt. Schaut man genauer hin oder besser hört man genauer hin, kommen jedoch viele gute Erinnerungen und persönlich habe ich fünfzehn der fünfunddreißig Tracks sogar als echte Maxis im Regal stehen. Kleine Perlen sind auch wieder dabei, so zum Bsp. die lange vergriffene und nie so recht offiziell veröffentlichte Extended Version von ‚Deliver Me’, einem der schönsten Beloved Hits! Songs auch im original zu featuren erscheint insbesondere bei Duran Durans ‚Oridinary World’ eine plausible Entscheidung. Sicherlich ist aufgrund einer solchen Varianz natürlich auch die Gefahr größer, dass einem so mancher Song überhaupt nicht gefällt. Javanotti, Innocence und die Chimes sind bspw. genau solche Kandidaten für mich, sonst jedoch bekenne ich mich sogar dazu, dass mir die Brand New Heavies, Garland Jeffreys und Papa Dee mit den präsetierten Songs im gegebenen Kontext gefallen. Besonders ist diesmal die Mix-CD zu erwähnen, die eine zunächst als etwas wahrlos zusammengestellt wahrgenommene Menge von Songs auf einmal in ein erstaunlich passendes Gefüge bringt. Eine stablie Brücke aus dem Achtziger wird mit P.M. Dawn als Opener gelegt, denn Tony Hadleys offiziell beigesteuertes Sample aus Spandau Ballets ‚True’ bringt genau dies zum Ausdruck. Die Cardigans tauchen zwischen Banderas und Seal auf, das groovende ‚Tom’s Diner’ von DNA lässt sich nahtlos überführen in Enigmas ‚Sadeness Part1’, der Mutter so vieler Chill-Out Songs. Anderthalb Stunden vergehen so im Flug… Ganz so begeistert wie bei der ersten so80s bin ich zwar nicht, denn viele der Songs hat man einfach auch schon in den enthaltenen Versionen im Gegensatz zum gesuchten 80er Vinyl im CD-Regal, die Zusammenstellung zeigt jedoch erneut das passende Händchen von Blank and Jones für solche Compilations. Und damit tragen die beiden bei, mein 90er Trauma jenseits von Grunge und Britpop wenigstens teilweise wieder aufzulösen… Danke! PS.: Über das Coverdesign müssen wir nochmal reden Augenkrebsgefahr