'Feralia' machen keine Musik für Leute, die beim Wort „Ritual“ an Duftstäbchen und Entspannungsbad denken. Auf „Ultima Requies“ geht es tiefer, finsterer und deutlich unbequemer zu: Black Metal zwischen römischer Unterwelt, verbotener Totenbeschwörung und einer Atmosphäre, die nicht um Erlaubnis fragt. Am 26. Juni 2026 erscheint das dritte Full-Length-Album der Band über ATMF – und wer hier auf sommerliche Leichtigkeit hofft, hat vermutlich versehentlich den falschen Sarkophag geöffnet. Mit „Ultima Requies“ treiben 'Feralia' ihre ganz eigene Vision von Black Metal weiter in eine Richtung, die sich nicht brav in die üblichen Schubladen legen lässt. Das Album hängt weder nostalgisch an der alten Schule wie ein rostiger Weihrauchkessel, noch versucht es, sich mit polierter Produktion und hübsch sortierter Finsternis bei modernen Hörgewohnheiten einzuschmeicheln. Stattdessen klingt diese Platte roh, spröde, sakral und gefährlich konzentriert – als würde sich irgendwo tief unter antiken Ruinen ein Ritual langsam in Bewegung setzen.
Der Sound von 'Feralia' lebt von genau dieser Spannung: abrasive Gitarren, beschwörende Atmosphäre, ein Gefühl von Staub, Stein, Blut und vergessenen Göttern. Die Songs wirken weniger wie einzelne Tracks, sondern eher wie Stationen eines düsteren Übergangsritus. Hier wird nicht einfach gerifft, hier wird gewühlt, gegraben und an Türen gekratzt, hinter denen man wahrscheinlich lieber niemanden antreffen möchte. Black Metal wird auf „Ultima Requies“ nicht als reine Raserei verstanden, sondern als spiritueller Abstieg – unbequem, ernsthaft und mit genug Grabeskälte, um selbst robuste Gemüter kurz die Heizung suchen zu lassen.
Auch thematisch greifen 'Feralia' tief in die archaische und okkulte Bilderwelt des alten Rom. Das Artwork verweist auf Erichtho, jene thessalische Hexe aus Lucans „De Bello Civili“, die der Legende nach gefallene Soldaten vom Schlachtfeld zurückrufen konnte. Eine Figur, vor der angeblich sogar die Götter nervös wurden – was man erstmal schaffen muss. Diese nekromantische Symbolik passt perfekt zum Kern des Albums: Der Tod erscheint hier nicht als Schlussstrich, sondern als Schwelle, als verbotener Durchgang zu Wissen, das garantiert nicht in der Stadtbibliothek im Erdgeschoss steht. Die Tracklist liest sich entsprechend wie ein kleiner Reiseführer für Menschen, die ihre Urlaubsziele nach Gruftfeuchtigkeit auswählen: „Ballata Avernale“, „Ver Sacrum“, „Pharsalia“, „Empireo“, „Marpiter“, „Defigere“ und „Miasma“ bilden sieben lange, beschwörende Kapitel. Schon die Titel deuten an, dass 'Feralia' hier keine schnelle Genre-Pflichtübung abliefern, sondern ein geschlossenes, rituell aufgeladenes Werk, das seine Hörer*innen langsam hineinzieht.
„Ultima Requies“ dürfte damit ein Album für alle werden, die Black Metal nicht nur als Krach mit Frostbeulen verstehen, sondern als finstere Zeremonie mit historischem Unterbau, okkultem Flackern und einer ordentlichen Portion metaphysischem Unbehagen. Am 26. Juni 2026 heißt es also: Licht dimmen, Komfortzone verlassen und hoffen, dass nach dem letzten Ton nicht plötzlich jemand aus dem Fußboden antwortet.
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