Das Thrash Metal mehr ist als stumpfe Gefühlsausbrüche gelangweilter Vorstadtknaben, haben schon in den Achtzigern legendäre Bands wie Exodus, Forbidden oder Death Angel nachdrücklich unter Beweis gestellt. Eng an die Vorgaben der San Francisco Bay Area knüpft eine noch recht junge Landsberger Formation mit einem hoffnungsvollen Debutalbum an. Toxic Waltz ist der einschlägige Name dieser fünf Jungs, die sich um 2009 herum aus Leadgittarist Jimi und dem ehemaligen Schlagzeuger Tim gründeten. Das Duo erwuchs letztlich zum Quintett, als sich Sänger Angelo, Bassist Rahman und Rhythmusgittarist Alex hinzugesellten. Mut und eine gesunde Portion Selbstbewusstsein haben die jungen Burschen schon jetzt bewiesen. Ihr erstes Album in kompletter Eigenpressung ziert ein aufwändiges Cover des verdienten Illustrators Peter Tikos, welches angesichts der hochaktuellen Ereignisse um den tiefen Fall überkommener Regierungen brisanter nicht sein könnte. Doch auch der Inhalt, gebannt in neun Liedstücken, weiß zu überzeugen. Das Songwriting erschließt sich sehr rasch durch die pfiffige Mixtur aus griffigen Strukturen und eingängigen Melodien sowie einer starken Portion an Eigenständigkeit. Die Band kupfert nicht einfach schamlos von anderen Größen ab sondern sieht sich folgerichtig als Neuinterpretatoren einstiger Glanztaten der alten Schule. Letzteres setzt das bajuwarische Quintett ebenso überzeugend wie zeitlos um. Dafür dass Toxic Waltz insgesamt noch recht jung sind, erhebt sich der Erstling „Decades Of Pain schon sehr hoch über den derzeitigen Genre Durchschnitt. Sänger Angelo hat großes Glück mit seinem Sprechapparat, denn er verfügt über eine signifikante Stimmfärbung sowohl in groben als auch in höheren Tonlagen. Er beherrscht mühelos urgewalte Schreie ebenso wie aggressives Shouting. Insgesamt gelang der Band mit Ihrer ersten Silberscheibe ein verdammt kräftiger und weiter Wurf, an dem sich viele andere Gruppen ein dickes Beispiel nehmen sollten. Guter Thrash Metal sollte auch im Jahr 2014 über mehr Substanz verfügen, als sinnloses Geschrei und dumpfes Geprügel welches alle Spektren der Brutalität zur maximalen Provokation ausreizen möchte. Erfreulicherweise sind Toxic Waltz über derartige „Anfängerfehler“ schon jetzt weit erhaben.