Wer den Namen ‘The Ruins Of Beverast’ hört, weiß eigentlich schon, dass hier nichts Leichtes passiert. Seit 2003 erschafft ‘Alexander Von Meilenwald’ unter diesem Banner Musik, die sich anfühlt wie der Soundtrack zu einer langsam zerfallenden Welt. Monumentale Doom-Passagen, eruptive Black-Metal-Momente und unheimliche Ambientflächen gehören dabei längst zur DNA der Band. Mit ‘Tempelschlaf’ erscheint nun Album Nummer sieben – ein Werk, das vertraute Elemente enthält, sie aber in einer überraschend freien und teilweise herrlich verschrobenen Form neu zusammenstellt.
Wer die Diskografie der Band kennt, weiß außerdem: Ein neues Album von ‘The Ruins Of Beverast’ ist selten einfach nur eine Sammlung von Songs. Frühere Werke wie ‘Blood Vaults’, ‘Exuvia’ oder ‘The Thule Grimoires’ wirkten eher wie große, düstere Rituale – musikalische Kathedralen, die sich langsam aufbauen und den Hörer über lange Spielzeiten hinweg in eine ganz eigene Welt ziehen. ‘Tempelschlaf’ funktioniert hier aber ein wenig anders. Das Album verzichtet auf ein klares Konzept und wirkt dadurch deutlich freier, spontaner und gelegentlich auch etwas unberechenbarer. Man könnte auch sagen: Hier wurde der Klangkosmos der Band einmal kräftig durchgeschüttelt – und das Ergebnis ist ein Album, das gleichzeitig vertraut und überraschend wirkt.
Musikalisch bleibt der Kern von ‘The Ruins Of Beverast’ natürlich sofort erkennbar. Tief gestimmte Gitarren wälzen sich durch schwere Doom-Passagen, Black-Metal-Ausbrüche sorgen immer wieder für eruptive Energie, während Synthesizer, Samples und düstere Klangflächen eine Atmosphäre erzeugen, die irgendwo zwischen Ritual, Albtraum und kosmischem Unbehagen pendelt. Gerade diese Mischung ist seit jeher das Markenzeichen von ‘Alexander Von Meilenwald’. Seine Musik wirkt selten wie klassischer Songaufbau, sondern eher wie eine akustische Landschaft. Man hört hier keine simplen Strophe-Refrain-Strukturen, sondern bewegt sich durch Klangräume, die sich langsam entfalten, verändern und manchmal auch überraschend die Richtung wechseln.
Im Vergleich zu früheren Alben fällt mir jedoch auf, dass ‘Tempelschlaf’ irgendwie etwas kompakter wirkt. Die Stücke sind insgesamt kürzer und weniger labyrinthartig aufgebaut als auf den großen Vorgängern. Wo ein Album wie ‘Exuvia’ oder ‘The Thule Grimoires’ den Hörer über lange Spielzeiten hinweg in eine einzige, durchgehende Vision hineinzieht, wirkt ‘Tempelschlaf’ eher wie ein Streifzug durch verschiedene Facetten dieses Klanguniversums. Das sorgt schon für Abwechslung – führt aber auch dazu, dass das Album gelegentlich etwas sprunghafter wirkt. Einige Passagen entfalten auch wieder die typische hypnotische Atmosphäre, für die ‘The Ruins Of Beverast’ bekannt sind. Massive Doom-Riffs bauen eine fast sakrale Stimmung auf, während beschwörende Gesangspassagen eine düstere, beinahe liturgische Wirkung entfalten. In solchen Momenten fühlt sich die Musik tatsächlich an wie der Sound einer riesigen, langsam einstürzenden Kathedrale.
Dann wiederum bricht plötzlich eine deutlich rauere Energie durch. Die Musik wird aggressiver, rhythmisch direkter, manchmal sogar fast punkig. Solche stilistischen Brüche tauchen auf ‘Tempelschlaf’ häufiger auf als auf den Vorgängern. Mal funktioniert das hervorragend und sorgt für spannende Dynamik – mal wirkt es ein wenig so, als hätte ‘Meilenwald’ bewusst darauf verzichtet, die einzelnen Ideen zu sehr zu glätten. Das kann irritieren, ist aber gleichzeitig auch Teil des Reizes. Denn eines kann man ‘The Ruins Of Beverast’ nun wirklich nicht vorwerfen: musikalische Berechenbarkeit. Auch atmosphärisch bleibt das Album auf gewohnt hohem Niveau. Synthesizer, Samples und Geräuschkulissen spielen erneut eine zentrale Rolle und verleihen der Musik eine fast psychedelische Qualität. Während andere Bands solche Elemente oft nur als Hintergrunddekoration einsetzen, sind sie hier ein essenzieller Bestandteil des Gesamtklangs. Immer wieder entstehen Momente, in denen sich das Album weniger wie eine Metal-Platte und mehr wie eine düstere Soundinstallation anfühlt.
Produktionstechnisch liefert ‘Alexander Von Meilenwald’ natürlich wieder hervorragende Arbeit ab. Der Sound ist massiv und raumgreifend, ohne dabei jemals zu überladen zu wirken. Besonders das Schlagzeug entfaltet eine hypnotische Kraft, während die verschiedenen Gesangsstile – von beschwörendem Klargesang bis zu harschen Shouts – hervorragend in den düsteren Gesamtklang eingebettet sind. Trotz all dieser Stärken bleibt mir jedoch der Eindruck, dass ‘Tempelschlaf’ nicht ganz die monumentale Geschlossenheit einiger Vorgänger erreicht. Wo frühere Alben wie eine einzige große Reise wirkten, fühlt sich dieses Werk für mich gefühlt eher wie eine Sammlung dunkler Visionen an. Manche Ideen wirken brillant, andere bleiben meiner Meinung nach etwas fragmentarisch. Aber andererseits, selbst ein leicht unberechenbares ‘The Ruins Of Beverast’-Album bewegt sich immer noch auf einem Niveau, von dem viele andere Bands im extremen Metal nur träumen können.
Ok, ‘Tempelschlaf’ ist meines Erachtens nach kein revolutionärer Schritt für ‘The Ruins Of Beverast’, sondern eher so etwas wie eine etwas lockerere Momentaufnahme ihres musikalischen Universums. Das Album vereint viele bekannte Elemente – Doom-Schwere, Black-Metal-Raserei, rituelle Gesänge und psychedelische Klangexperimente – und präsentiert sie in einer freieren, teilweise auch sprunghafteren Form. Fans der monumentalen Konzeptwerke könnten hier ein wenig die große, durchgehende Intensität vermissen. Gleichzeitig sorgt genau diese offenere Struktur dafür, dass das Album abwechslungsreicher und stellenweise sogar zugänglicher wirkt als einige der vorherigen Veröffentlichungen. Gemacht ist ‘Tempelschlaf’ vor allem für Hörerinnen und Hörer, die düstere, atmosphärische Extremmusik lieben und keine Angst davor haben, sich für eine Stunde in eine sehr eigenwillige Klangwelt zu begeben.
Für mich bleibt ‘Tempelschlaf’ am Ende ein gutes, stellenweise sehr starkes Album einer Band, die längst ihre eigene Liga besetzt. Vielleicht nicht das zwingendste Werk der Diskografie – aber definitiv eines, das zeigt, dass ‘Alexander Von Meilenwald’ auch nach über zwanzig Jahren noch keine Lust hat, musikalisch auf Nummer sicher zu gehen. Und ganz ehrlich: Ein bisschen kontrollierter Wahnsinn hat dieser Szene auch noch nie geschadet.
Medienkonverter.de
The Ruins Of Beverast - Tempelschlaf
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