Es ist Ende 2023 und A Spell Inside gelten trotz ihrer mehr als 25 jährigen Bandgeschichte mit fast 10 Veröffentlichungen, diversen Liveauftritten auf Festivals und Konzerten immer noch als Geheimtipp. Es ist mir ein Rätsel, wie das sein kann. Denn von meinem Standpunkt machen Michael Roeder und seine Mitstreiter seit Anbeginn alles richtig. Sie sind präsent und sichtbar. Die Veröffentlichungen sind professionell produziert, das Songwriting makellos und der Gesang von einer eindringlichen Präsenz, die ihres Gleichen sucht. Und vermutlich ist es müßig, sich den Kopf über den geringen Bekanntheitsgrad von A Spell Inside zu zerbrechen und stattdessen einfach etwas dafür zu tun, diesen etwas zu steigern. Genau hier kommt so auch die lange überfällige Rezension des letzen Albums von 2019 ins Spiel. 

“Masterplan” ist tatsächlich ein Album ohne große Überraschungen, was aber in Bezug auf A Spell Inside durchaus ein Prädikat ist. Elf abwechslungsreiche Songs tummeln sich auf dem Silberling und Langeweile mag auch beim wiederholten Durchhören einfach nicht aufkommen. Vom tanzbaren, geilen Opener “Break”, bis zu den pumpenden Refrains vom letzten Track “Hundred Years”, es reiht sich eine Synthpop-Perle an die nächste. Meine Highlights sind das geniale, episch-treibende “Ballerina’s Poem”, das Tanzbar-mitreißende “The Grand Masquerade” und nicht zulegst der Titeltrack “Masterplan”, der ruhig, getragen und dunkel mit einem tollen Piano daherkommt, nur um in den grandiosen Refrains förmlich zu explodieren. Aber kein Song muss sich verstecken, weder die tollen Balladen “Like Stars” und “Hate Me” mit all ihrer Melancholie und schönen Verzweiflung. Und “Fehlermeldung” (das mich sehr an den Stil von And One erinnert, der Ohrwurm “Rise” und das hymnisch-pulsierende “Rise” sind gewohnt handwerklich erstklassig produzierte Songs.

Mit “Masterplan” haben A Spell Inside alles richtig gemacht. Ein nahezu perfektes Album - gewohnt vielschichtig, abwechslungsreich und getragen von der markanten Stimme von Michael Roeder. Ich bin mir sicher, wäre nicht die Corona-Pandemie dazwischen gekommen, hätten wir sehr viel mehr Live-Präsenz der Neusser erwarten dürfen. Doch es kam, wie es kam. Was bleibt ist ein großartiges Album, ein weiteres in der langen Reihe großartiger Releases einer großartigen Band. Es ist wie mit guten Weinen, die mit der Zeit auch immer besser und besser werden. Und ich werde nicht aufhören, daran zu glauben, dass diese Band so viel mehr Erfolg verdient hat und sich dieser auch noch einstellen wird. Verdient haben sie es alles mal. Wer jetzt neugierig geworden ist und kurz vor Silvester, d.h. am 29. Dezember 2023 noch nichts vorhat, sollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, A Spell Inside als Support von Kirlian Camera im schönen Kulttempel in Oberhausen zu erleben.