'Silke Bischoff' reloaded: Dependent Records öffnet die Gruft der Klassiker

Silke Bischoff reloaded: Dependent Records...

Das dürfte in der schwarzen Szene ungefähr so leise einschlagen wie ein Nebelmaschinen-Unfall im vollbesetzten Gruftie-Club: 'Silke Bischoff' haben bei 'Dependent Records' unterschrieben. Und ja, man kann die Diskussionen in den Kommentarspalten bereits hören. Zwischen kollektiver Gänsehaut, skeptisch hochgezogener Augenbraue und „Endlich!“-Rufen mit Kajalrand dürfte alles dabei sein. Denn hier geht es nicht einfach um irgendeinen Backkatalog, sondern um ein Stück deutscher Gothic-Dark-Wave-Geschichte, das lange viel zu schwer greifbar war. 'Dependent Records' wird den Katalog von 'Silke Bischoff' neu zugänglich machen. Axel Kretschmann spricht in der Ankündigung davon, den Fans endlich zurückgeben zu wollen, was ihnen gehöre. Das klingt pathetisch, klar, aber bei 'Silke Bischoff' war Pathos nie ein Betriebsunfall, sondern eher Grundausstattung. Labelchef Stefan Herwig wiederum ordnet die Band als prägende Kraft jener 90er-Jahre-Szene ein, in der Musik, Ästhetik, Provokation und Lebensgefühl noch eine ziemlich intensive Wohngemeinschaft bildeten.

Gegründet wurden 'Silke Bischoff' 1990 von Axel Kretschmann und Felix Flaucher. Schon frühe Stücke wie 'I Don’t Love You Anymore' sorgten in Clubs für Bewegung zwischen Tanzfläche und innerem Weltuntergang, während 'On The Other Side (I’ll See You Again)' später zu einer dieser Szenenhymnen wurde, bei denen selbst die härtesten Nebelgestalten kurz weichzeichnen. Alben wie "The Man On The Wooden Cross", "To Protect And To Serve" und "Northern Lights" machten die Band zu einem Fixpunkt zwischen Gothic, Dark Wave und elektronischer Melancholie mit großer Geste. Dass der Bandname aufgrund des Bezugs zur 1988 getöteten Silke Bischoff immer wieder kontrovers diskutiert wurde, gehört zur Geschichte der Band dazu. Ebenso gehört dazu, dass Kretschmann und Flaucher den Namen als künstlerisches Mahnmal verstanden wissen wollten. Nach internen Differenzen, Rechtsstreitigkeiten und naja, der späteren Fortführung unter dem Namen '18 Summers' blieb lange vieles offen. 2017 verstarb Felix Flaucher nach schwerer Krankheit.

Beim Wave-Gotik-Treffen 2025 brachte Axel Kretschmann 'Silke Bischoff' wieder auf die Bühne, unterstützt von prominenten Gästen wie Alexander Veljanov von 'Deine Lakaien' und Sven Friedrich von 'Dreadful Shadows', 'Zeraphine' und 'Solar Fake'. 2026 folgen nun weitere Konzerte: am 25. September in Bochum, am 26. September in Leipzig und am 27. September in Berlin, jeweils mit 'The Second Sight' als Special Guest. Für einige Fans heißt das: Der Kult kommt zurück. Nicht museal verstaubt, sondern mit genügend Zündstoff, um alte Herzen schneller schlagen und alte Debatten neu aufflammen zu lassen. Gleichzeitig bleibt bei aller Freude über die Rückkehr sicher auch Raum für Diskussionen: Nicht alle Fans dürften der Meinung sein, dass 'Silke Bischoff' ohne Felix Flaucher noch genau jene 'Silke Bischoff' sind, die sie über Jahrzehnte geprägt, geliebt und vielleicht auch ein bisschen durchlitten haben.

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