Bereits im Februar vor einem Jahr erschien vorliegende Scheibe, aktuell tue ich mich aber schwer, an den Rechner zu kommen. Das Leben und so... Jedoch würde ich dem ukrainischen Solo-Projekt Selvnatt Unrecht tun, würde ich sie ganz unerwähnt lassen. Und mit dem Ausblick auf ein kommendes Album von Këkht Aräkh, deren erstes und insbesondere zweites Album ich ja von Herzen liebe, möchte ich 'Empty life' Gerechtigkeit zukommen lassen.
Ich weiß nicht ganz, ob es ein ukrainischer Trend ist und ob eine Verbindung zum aktuellen Geschehen in der Ukraine gibt, aber Black Metal mit romantisch-kitschiger Note scheint ein Ding zu sein. Wahrscheinlich liegt es insbesondere am Erfolg und an der Qualität von Këkht Aräkh, denn 2025 traten mit Draugveil und vorliegendem Werk von Selvnatt zwei Projekte auf den Black Metal Plan, die sich Herkunftsland, Optik und an vielen Stellen Sound teilen. Auch Selvnatt bedienen sich einem oldschooligem Black Metal Sound, die Vocals sind rauh, aber nicht übertrieben gequält und die Aufnahmequalität erscheint etwas klarer und voller, als bei Këkht Aräkh, aber immernoch eher rumpelig. Dazu kommen Keyboards, die in großen Teilen zur romantisch-kitschigen Note beitragen und wie bei Këkht Aräkh die Verbindung zum Dungeon Synth ausmachen. Wie auch schon bei Draugveil empfinde ich Selvnatts Debüt als sehr stark, wenn auch nicht so beeindruckend wie Këkht Aräkhs zweites Album 'The pale swordsman'. Aber vielleicht liegt hierin auch die Chance, denn zum Debüt 'Night & Love' erkenne ich qualitätiv starke Ähnlichkeiten und wenn sich Selvnatt ähnlich steigern können, erwartet uns Großes.
Wer dieses "uns" ist, das spielt für mich persönlich kaum eine Rolle. Këkht Aräkh werden im Netz zum Teil stark kritisiert, Rosen-Ästhetik und Kitsch sind nicht trve, bla bla bla. Aber wenn etwas kontrovers diskutiert wird, nimmt es einen gewissen Raum ein und ich bin mir sicher, dass die Gruppe der Befürworter mindestens genauso groß ist wie die der unkenden Schwarzwurzler. Und diese Befürworter können sich an einem schrecklich kitschigen Cover erfreuen, das nicht ganz so schlimm ist wie bei Draugveil, aber trotzdem verdaut werden muss. Die Verdauung wird aber angeregt, denn wie beim großen kleinen Vorbild Këkht Aräkh möchte man sich vorstellen, dass es wohl so klingen könnte, wenn Dark Throne etwas romantischer veranlagt wären. Dabei tun sich Selvnatt etwas technisch versierter agierend hervor und die Produktion ist deutlich klarer, aber das sind Nuancen, im Großen überwiegen die Ähnlichkeiten.
Ich kann Freunden rohen Black Metals nur empfehlen, das Artwork zu ignorieren und 'Empty life' ein Ohr zu leihen. Das Album kann was und es ist eine schöne Nische in der Black Metal Landschaft, die noch nicht zu breitgetreten ist.
Selvnatt – Empty Life
First Floor Funeral Records / 28.02.2025
https://selvnatt.bandcamp.com/album/empty-life
- Empty life
- Wounded
- Cursed Souls (feat. Andrii Pechatkin)
- Wistful
- Through eternity
- Pale Stars