Keine Angst, das hier ist keine Doku über den Klimawandel oder ein Schulreferat mit Poster und Klebestift. 'Blauer Planet' ist vielmehr ein schräg-schöner, poetisch-verrauschter Streifzug durch Raum und Zeit, irgendwo zwischen Synthpop-Melancholie und Spoken-Word-Wucht. Die erste gemeinsame Veröffentlichung der Winterthurer Autorin Julia Toggenburger und des Rheintaler Musikers Carlo Rainolter (aka Karl Kave) klingt wie ein Mixtape aus dem Paralleluniversum – aufgenommen in den Achtzigern, aber mit Abspielknopf in der Jetztzeit.
Die Texte: mal zart, mal zerrissen, taumeln zwischen Weltallmetaphern, Alltagsminiaturen und emotionaler Schwerelosigkeit. Wer sich hier auf Lyrics wie „Schrott im Körper, Schrott im All“ einlässt, entdeckt schnell: Das ist keine Flucht ins Absurde, sondern ein Blick auf alles, was zwischen zwei Jazz Hands und einer grünen Tüte Platz hat. Es wird gewandert, gewalzt, gewartet – und am Ende winkt der Riese. In fünf Milliarden Jahren. Musikalisch setzt Blauer Planet auf ungeschliffene Synths, rumpelnden Retro-Charme und ein gutes Maß DIY-Charisma. Irgendwo zwischen minimal und emotional schwingt sich das Album durch 13 Tracks voller Charme, Kantigkeit und Eigensinn. Dabei bleibt es angenehm unaufgeregt und trotzdem intensiv – wie ein melancholischer Nachtspaziergang durch verlassene Betonlandschaften mit Walkman am Gürtel.
Wer Karl Kave & Durian kennt oder sich schon mal in Carlo Ondas analoge Traumwelten verirrt hat, wird sich auch hier wohlfühlen – nur dass diesmal mit Julia Toggenburger eine Stimme dabei ist, die das Ganze lyrisch auf ein neues Level hebt. Fazit: Blauer Planet ist kein Album für die schnelle Nummer zwischendurch. Aber für Freund:innen von Grenzwelten, Poesie in Bewegung und schrägem Synthpop ist es ein kleines Juwel aus ferner Nähe.
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