Schreien verboten, Industrial erlaubt: 'Godflesh' konkretisieren ihren Abschied

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Die Nachricht ist nicht ganz neu, hat aber ein wichtiges Update bekommen: 'Godflesh' werden nicht mehr live auftreten. Justin Broadrick hatte diesen Schritt bereits im März nach einer schweren Operation angekündigt. In einem aktuellen Interview mit dem 'Guardian' erklärte der Sänger und Gitarrist nun ausführlicher, wie es mit der Band weitergeht – und warum ihr Ende nicht ausschließlich medizinische Gründe hat.

Nach fast vier Jahrzehnten ist die Live-Karriere von 'Godflesh' beendet. Broadrick musste sich Anfang 2026 wegen eines rund 13 Zentimeter großen Leistenbruchs operieren lassen. Die jahrelange körperliche Belastung und das intensive Schreien auf der Bühne hatten ihre Spuren hinterlassen. Eine Rückkehr zu den vokalen Abrissarbeiten wäre gesundheitlich zu riskant. Für eine Band, deren Konzerte ohnehin klangen, als würde ein Industriekomplex seine eigene Sprengung vertonen, ist das ein ziemlich endgültiger Bühnenvorhang.

Am 25. September erscheint über Relapse Records zunächst das Album 'Decay'. Die sechs Titel umfassende Veröffentlichung ist das zehnte und vorletzte Studioalbum von 'Godflesh'. Als erste Kostprobe wurde bereits 'Living/Ending' veröffentlicht – ein Songtitel, der inzwischen kaum noch als Zufall durchgeht. Neu aus dem Interview: Das finale Album soll voraussichtlich 'The End' heißen und im November oder Dezember aufgenommen werden. Broadrick plant darin eine veränderte Gesangsarbeit mit höheren Schreien und gesprochenen Passagen, da die bisherigen tiefen Growls körperlich nicht mehr sicher möglich sind. Außerdem sagt er, dass ihn die klassische 'Godflesh'-Formel zunehmend einengt. Das Ende sei deshalb nicht nur eine Folge seiner Operation, sondern auch der Wunsch, sich musikalisch aus dem bekannten Bandgerüst zu lösen.

Daraus soll 'White Light District' entstehen. Das neue Solo-Projekt wird weiterhin schwer, brutal und industriell klingen, aber stärker mit Samples, elektronischen Texturen und geschichteten Gitarren arbeiten. Für Live-Auftritte ist ein Session-Schlagzeuger vorgesehen. Broadrick betont ausdrücklich, dass es kein Ersatz für 'Godflesh' werden soll. Ersatzteile aus Birmingham wären vermutlich ohnehin schwer durch den TÜV zu bekommen. Seine Projekte 'Jesu' und 'JK Flesh' bleiben erfreulicherweise bestehen. Das Ende von 'Godflesh' bedeutet also keinen musikalischen Ruhestand – die alte Maschine fährt nur ihrem letzten Album entgegen, während daneben bereits die nächste gestartet wird.

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