Und hier noch ein älteres Schätzchen aus dem MK-Regal, das jetzt endlich seinen Platz in den CD-Player und auf diese Seite gefunden hat. Richard Christ nennt sich der kreative Kopf und Sänger; seine Band ebenso. Er ist Italiener und bis jetzt mit seiner Combo vor allem im südeuropäischen Raum als Marilyn Manson Tribute-Band in Erscheinung getreten. Ich habe (leider) keinen Auftritt von ihnen verfolgen können. Doch über 200 Konzerte zeugen davon, dass die Crowd wohl ziemlich angetan sein musste. Sonst wäre wohl schon nach einem Dutzend MM-esken Darbietungen Schluss gewesen. Dass Mr. Christ optisch Brian Warner ziemlich nahe kommt überrascht dabei nicht weiter. Ein Beamten-Heini im hoch geschlossenen Karo-Hemd dürfte on stage wohl auch kaum für die korrekte Rock-Bambule mit starken Psycho-Gothic-Touch gesorgt haben dürfen. Seine beiden anderen Mitstreiter stehen ihm laut Booklet optisch da in nichts nach und dürften sich als Weihnachtsgeschenk von ihren Verwandten einen korrekten Douglas-Einkaufsgutschein gewünscht haben, der spätestens zu Ostern völlig „verschminkt“ sein sollte. Soviel zur Optik, die im Rock n Roll nun eben auch eine große Rolle spielt. Zur Musik lässt sich ohne große Umschweife vorausschicken, dass die Boxen bzw. der Kopfhörer mehr als amtlich durchflutet werden. Dreckiger, harter Rockn Roll mit zünftigen Glam-Einschlag wird hier geboten. Mit Samples, Keyboardflächen - sowie einigen verwendeten Synthie-Bässen hier und da - passend unterstützt und angefettet. Am Schlagwerk sitzt halt ein elektrischer Mutant, der das Sound-Ambiente gut nach vorne treibt und an keiner Stelle richtig auf den Sack zu gehen weiß. (Jungs, kommt live aber bitte mit einem muskulösen Human-Drescher um die Ecke! Die einzigen Düster-Rocker, die sich einen „Dr. Avalanche“ auch live auf der Bühne leisten können sind nun mal die ebenso kultigen wie Release-geizigen Sisters of Mercy…) Stimmlich kann über den Christ in keinster Weise blasphemisch geurteilt werden. Nach einigen Sekunden wird zwar eine riesengroße Vokal-Affinität zu Mr. Manson mehr als deutlich, die - selbstredend - über die gesamte Album-Länge omnipräsent ist. Aber überrascht dies wirklich jemanden bei einer Ex MM-Tribute-Band? Nichtsdestotrotz führen die Stimmbänder jedes musikalische Ambiente geradezu perfekt an. Psycho-Gekreisch, raues Flüstern (wie wir es halt von Manson gewohnt sind) und richtig hartes Brüllen, das noch mit der Extra-Portion Distortion-Rotz versehen wird, werden jeweils passend eingesetzt. Sehr positiv fällt auch das Englisch des Italieners auf. Ein unangenehmer Akzent des Herrn mit dem originär-romanischen Zungenschlag fällt an keiner Stelle negativ ins Gewicht. Die Stücke wurden alle sehr kompakt arrangiert, gehen sämtlich gut nach vorne los – wobei auch schon mal ordentlich das Gaspedal durchgedrückt wird („No way for you“) und die Geschwindigkeitsnadel hier auch schon mal das Pogo-Tempo erreicht. Ein hoher Wiedererkennungsgswert der Kompositionen zieht sich durch das gesamte Album. Eine ganze Hand voller Tracks kann dabei bedenkenlos in die Tatze des Alternative-DJs fallen. Zu nennen ist hier auch vor allem das Cover von Blondies altem New Wave-Disco Gassenhauer „Call me“. Der eigene Stempel wurde diesem Stück kräftig und passend aufgedrückt. Ein Quentchen mehr Elektronik als auf dem überwiegenden Rest des Album erhöht hier zudem die (intendierte) Klub-Kompatibilität. Dem Gothic-Glam-Rock-Freund mit dem Hang zur tanzbarer Aggressivität wirds freuen. Manchen Hörer wird vielleicht die starke musikalische Nähe gerade zu älteren Manson-Produkten stören. Aber, wie erwähnt, nicht zuletzt durch die große stimmliche Blutsbruderschaft sind diese Parallelen einfach nicht zu killen. Hier muss einfach jeder Hörer selbst entscheiden. Dem Rezensenten z.B. ists bei der genussvollen Abhöre nicht weiter gegen den Strich gegangen. Denn kurzweiligen Spaß bereitet die Scheibe allemal, auch wenn sie sicher nicht als sonderlich tiefgründiges Werk in die Alternative-Rock-History eingehen wird. Aber da kann in Zukunft ja noch einiges kommen von Richard Christ.