Es gibt sie also doch noch, diese Bands, die sich der Mischung aus Rock und Hip-Hop verschrieben haben. Wie viele deutsche Sprechgesangskünstler kommen auch Reimzig aus dem Norden der Republik. Seit 1997 treiben die Hanseaten ihr Unwesen und wollen nun mit ihrem zweiten Album "Rogg 'N' Rohl Azubi" so richtig durchstarten. Eigentlich hatte man schon geglaubt, der Sprechgesang sei eine aussterbende Kunst. Zugegebenermaßen treffen Reimzig mit "Rogg 'N' Rohl Azubi" nicht unbedingt den Nerv der Zeit. Schließlich sind die Sternstunden von Bands wie den H-Blockx schon etwas länger vorbei und der von ihnen kreierte Stil zählt mittlerweile nicht mehr unbedingt zu den Musikrichtungen, welche die Charts stürmen. Gerade deshalb zeugt es von ungeheurem Enthusiasmus, dass Reimzig trotzdem ihr eigenes Ding durchziehen und ein Album herausbringen, auf dem fünf Hamburger kräftig abrocken. Natürlich dürfen auch hier die obligatorische Selbstbeweihräucherung und die Abhebung von computergenerierter Musik nicht fehlen. Mit einer ordentlichen Portion Groove und Funk gehen Lars, Patrick, Paquito aka Hank, Bünse und Schwank ans Werk und erinnern dabei sogar zeitweise an die legendären Infectious Grooves. Leider gestaltet sich ihr neues Werk trotzdem als zu sehr altbekannt, als dass es einem vom Hocker reißen könnte. Überraschenderweise entblößt sich aber der letzte Song als reiner Rocksong mit überzeugendem Gesang. Ob solche Ausreißer bei Reimzig auch zukünftig eher die Ausnahme darstellen, bleibt abzuwarten. Schließlich wollen sich die fünf in keine Schublade pressen lassen und verstehen sich selbst als Rockband mit zwei Sprechsängern. Besondere Beachtung sollte man der Webseite von Reimzig schenken. Dort finden sich neben Streams des aktuellen Albums auch Snippets eines von Reimzig selbst auf die Beine gestellten Hörspiels, "Reimzig auf der Jagd nach dem RoggNRohl-Azubi", das natürlich bar jeder Vernunft und Ernsthaftigkeit alle Register zieht. Auch für Sprechgesang-Abtrünnige sehr empfehlenswert.