Ein heißer Mai neigt sich dem Ende zu und verspricht einen warmen Sommer. Doch am Tage des Open Air Konzerts von Ex-Genesis Sänger Ray Wilson ist ein Blick in die Wetter App und ein Stoßgebet in Richtung Petrus von Nöten. Spoiler, obwohl einige Apps ein Unwetter prognostizieren, fällt kein Tröpfchen Regen an diesem Abend. Gut gelaunt schleppen einige Besucher der Show eigene Campingstühle zum Amici Beach, dem schönen Waldseebad in Effeld, direkt an der niederländischen Grenze. Und auch auf dem Gelände kommt sofort entspannte Sommerstimmung auf, als einige Besucher sich mit kühlen Getränken auf den Abend einstimmen und noch wenige Badegäste das kühle Nass genießen.
In der ersten Reihe, direkt vor der Bühne ist nicht mehr viel Platz, denn hier haben sich schon die ersten Fans des schottischen Musikers die besten Plätze gesichert. Doch bevor der Prog-Rocker die Bühne betritt, darf ein lokaler Künstler den Abend einleiten. Mit Robert Lottmann tritt ein aus den benachbarten Niederlanden stammender Musiker auf, der mit eigenen Interpretationen von internationalen Hits für gute Laune sorgt. In seiner One Man Show begeistert er mit Songs wie "Wind of Change" von den Scorpions, "Nikita" von Elton John oder auch "Purple Rain" von Prince. Während der Show des niederländischen Country- und Popsängers grooven sich die Mitglieder von Ray Wilsons Band schon neben der Bühne ein, die Musiker sind sichtlich guter Laune und freuen sich, bald selbst ihr Können zu zeigen. Nach einer kurzen Umbaupause kann Veranstalter dann endlich den internationalen Star aus Schottland ankündigen und Ray Wilson und seine Band betreten die Bühne.
Der Schotte, der vor 29 Jahren als Sänger von Genesis das letzte Studioalbum der kultigen Progrock Band veröffentlichte, ist in ganz Europa mit seinem Genesis Classics Programm auf Tour. Doch den Abend beginnt er mit einem Song aus der eigenen Feder. Mit "There must be some other Way" präsentiert er einen Titel, der von Hoffnung handelt, von Lösungen, wenn man sie sucht. Viele seiner eigenen Songs tragen diese Botschaft in sich und werden daher von den treuen Fans des Künstler geschätzt. Wer die Shows des Sängers kennt, weiß, dass "No Son of mine", der Genesis Kultsong aus den 1990er Jahren nicht fehlen darf. Ray Wilson animiert sein Publikum, den Chor zu geben, was die rund 900 Besucher auch gerne tun. mit "That´s All", einen Klassiker der Phil Collins Ära, geht die musikalische Zeitreise durch die Schaffenszeit der britischen Rockband weiter. "Wilson scherzt, dass man einen alten Song spielt. Dabei sind ja eigentlich alle Genesis Songs alt." Doch der Sänger hat nicht nur die beliebtesten Hits von Genesis im Gepäck, sondern zeigt auch mit "Lemon yellow sun" und "Wait for better days", dass er auch ein großartiger Songwriter ist, der gefühlvolle Titel schreiben kann. Musikalisch wird dem Besucher einiges geboten, denn nicht nur die Classics aus der Genesis Zeit werden vom Publikum begeistert mitgesungen, auch die Interpretation mit Violine und Saxophon geben den Titeln eine ganz neue Energie. Dass die Musiker ein eingespieltes Team sind, beweisen sie auch in Effeld. Mit Artur Pacak hat die Band nun einen neuen Gitarristen in den Reihen, der zeitweise Wilsons Bruder Steve bei den Liveshows vertritt. Mit Wilsons ersten Welterfolg, dem aus der Jeanswerbung bekannten Hit "Inside" aus der Zeit mit seiner Band "Stiltskin" und einer Coverversion von "Knocking on heavens door" geht dieser kurzweilige Abend leider zu Ende.
Es ist immer wieder eine Freude, die alten Hits von Genesis mit dem eigenen Charisma des Schotten live erleben zu können. Wer eine musikalische Zeitreise genießen möchte, sollte sich unbedingt einmal Tickets für die "Genesis Classics" Konzertreihe von Ray Wilson und Band besorgen und sich den Klängen hingeben. Veranstalter Jürgen Laaser gibt nach dem Konzert noch einen kleinen Ausblick auf die Show im kommenden Jahr, denn mit "Abba meets Queen" verspricht man den Musikliebhabern ein erneutes Rock-Highlight in der Grenzregion.