Rammstein: 'Deutschland', 'Radio', 'Puppe': Sieben Jahre unbetitelter Flächenbrand

Rammstein: Deutschland, Radio, Puppe: Sieben...

Sieben Jahre ist es inzwischen her, dass 'Rammstein' ein Album veröffentlichten, das offiziell nicht einmal einen Titel brauchte, um weltweit Türen einzutreten. Am 17. Mai 2019 erschien das siebte Studioalbum der Berliner Band – offiziell unbetitelt, im Handel, auf Streaming-Plattformen und im allgemeinen Sprachgebrauch aber meist schlicht als 'Rammstein' geführt. Andere Bands basteln wochenlang an bedeutungsschweren Albumtiteln, 'Rammstein' stellten ein einzelnes Streichholz auf weißen Grund und ließen Fans, Feuilleton und Forenabteilung den Rest erledigen. Gerade dieser minimalistische Look war ein cleverer Kontrast zur maximalistischen Bandwirkung. Kein Logo, kein Titel, keine große Pose – nur ein Bild, das sofort Kopfkino auslöste. Außen fast klinisch reduziert, innen elf Songs mit dem Gewicht einer Werkshalle bei Nacht. So viel Understatement ist bei 'Rammstein' natürlich ungefähr so unauffällig wie Till Lindemann im Wartezimmer einer Musikschule, aber genau deshalb funktionierte es.

Auch der Zeitpunkt hatte Wucht: Zehn Jahre nach 'Liebe Ist Für Alle Da' meldeten sich 'Rammstein' 2019 mit neuem Material zurück. Nicht vorsichtig, nicht tastend, sondern mit 'Deutschland' – einem Song samt bildgewaltigem Video, der sofort Diskussionen auslöste und die Band wieder mitten in die kulturelle Reizstromzone katapultierte. Kurz darauf folgten 'Radio' und 'Ausländer', während das Album selbst deutlich machte, dass 'Rammstein' ihre eigene Maschine nicht neu erfinden mussten, sondern nur noch präziser eingestellt hatten.

Musikalisch verbindet die Platte Neue-Deutsche-Härte-Wucht, Industrial-Metal-Druck, kalte Elektronik und jene monumentale Strenge, die bei 'Rammstein' nie zufällig wirkt. Die Gitarren marschieren, die Synths schimmern kühl durch den Beton, und über allem liegt diese typische Mischung aus Pathos, schwarzem Humor und kontrollierter Eskalation. Songs wie 'Zeig Dich', 'Was Ich Liebe', 'Tattoo' oder 'Hallomann' zeigen die Band zwischen Ritual, Refrain und dunkler Theatralik, während 'Puppe' bis heute zu den beklemmendsten Momenten des Albums zählt – kein Song, eher ein schlecht beleuchteter Raum, in den man freiwillig nur einmal hineingeht. Aufgenommen wurde das Album 2018 im Studio La Fabrique in Frankreich; produziert wurde es von Olsen Involtini gemeinsam mit der Band. Damit war es zugleich das erste 'Rammstein'-Studioalbum, das nicht von Jacob Hellner produziert wurde. Auch kommerziell lief das namenlose Werk nicht gerade auf Zimmerlautstärke: Es erreichte in zahlreichen Ländern Platz eins und wurde in Deutschland das erfolgreichste Album des Jahres 2019.

Sieben Jahre später wirkt dieses Album immer noch wie ein eigentümlicher Monolith im Katalog von 'Rammstein': reduziert im Auftreten, massiv in der Wirkung. Es hatte keinen offiziellen Titel, aber 'Deutschland', 'Radio', 'Puppe' und genug Eigengewicht, um sich auch ohne Namensschild durchzusetzen. Andere Comebacks winken freundlich aus der Tür. Dieses stand einfach da, sagte nichts – und alle wussten trotzdem, wer gemeint war.

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