Prophecy Fest 2022, Bericht Teil 1
29.09. - 01.10.2022
Balve, Sauerland

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Vor zwei Wochen habe ich donnerstags auf einer Wiese in den Abend hineingefroren und am Freitag und Samstag mehr als 10 Stunden in einer Höhle gestanden. Eine sich anschließende Erkältung schien logische Folge und hielt mich die Folgewoche flach. Und wisst ihr was? Das war es mehr als wert. Ich möchte euch berichten vom (in meinen Ohren) bisher schönsten Prophecy Fest in Balve.

Do 1.jpgHatte das Label doch eigentlich angedacht, das Fest „nur“ alle zwei Jahre auf europäischen Grund abzuhalten (abwechselnd mit der US-Version), war der Erfolg und das Feedback 2021 anscheinend so gut, dass man sich gegen das Vorhaben entschied. Gut so, denn 2021 war ein sehr sehr gutes Ju-biläumsjahr, 2022 (für mich) aber musikalisch noch einen Tick spannender. Und auch die Vorver-kaufszahlen gaben dem Label Recht: circa 1100 der insgesamt 1200 Karten waren vor Beginn unter die Menge gebracht und auch die Restlichen blieben meines Wissens nach nicht ungenutzt liegen. Eher ungewöhnlich in der aktuellen Zeit, in der Festivals viel auf Vor-Ort-Verkäufe hoffen müssen. Wir fangen also dort an, wo an diesem Wochenende alles begann – am Eingang der noch gesperrten Höhle: Als Besucher erhielt man wie in jedem Jahr ein paar nette Begrüßungsworte der sehr netten Mitarbeitenden, ein Festivalbändchen und ein Art-Book mit zwei Silberlingen, auf denen jeweils ein Song jeder vertretenden Band zu finden ist. Und ist es auch inzwischen eine Tradition, am Ende eines Prophecy Festes das aktuelle Art-Book zu denen der vergangenen Jahre zu stellen, kann man nicht ausreichend unterstreichen, dass diese Mitgift wirklich wunderbar ist – zu jeder Band ein Bild, ein paar Worte der Musiker, deren Musik. Genial. Dann ging es Richtung Park- und Camp Gelände, auch in diesem Jahr recht gut gefüllt, trotz eher kühler Temperaturen. Hier gab es am ersten Abend einige Feuerstellen, Freibier und Folk unter freiem Himmel und bereits hier, am ersten Abend, zeigte sich eine weitere Qualität des Festes: eine familiäre, friedliche und angenehme Stimmung, Publikum und Musiker im freundlichen Austausch und kaum festivaltypische Totalausfälle alkoholischer Natur. Auf der kleinen Bühne konnte man insgesamt sechs Bands hören, wobei ich zur ersten, Zwischen-lichten, nichts berichten kann, da der Verkehr auf der Hinreise ausreichend dicht war. Los geht es also mit

Do Crone.jpgCrone
Das Nebenprojekt aus dem Hause Secrets of the moon ist inzwischen mehr vollwertige Band als Projekt und das aktuelle Album „Gotta light?“ gerade erst erschienen – auf der Wiese gab es nun stromfreie Versionen der neuen und älteren Lieder mit weiblichem Gastgesang und einem ausge-zeichneten Sound. Erstaunlich transparent und weich konnte man das Gespielte von jedem Punkt des Versammlungsplatzes gut vernehmen, ob man nun vor oder neben der Bühne oder an einer der weiter hinten aufgebauten Feuerstellen stand. Crone selbst lieferten instrumental eine wunderbare Vorstellung ab. Die Mängel, die ich der Band aber unterstelle, blieben aber auch in den akustischen Versionen nicht verborgen: Zum einen ist das Material meist nur nett und die Ähnlichkeiten zwi-schen den einzelnen Songs führen (bei mir) schnell zu Ermüdungserscheinungen, zum anderen ist sG’s Gesang zumindest gewöhnungsbedürftig. Ich mag ihn einfach nicht hören, viel zu oft ist er etwas neben der Spur, etwas schmalbrüstig und durch seine Kratzigkeit auch nicht stimmig in Ver-bindung mit den sanften Melodien. Das erschien mir noch offensichtlicher durch den weiblichen Gastgesang, der andeutete, wie viel netter es sein könnte, würde ein sanfter Klargesang sG ersetzen. Fans der Stimme und des Projektes werden aber nichts zu meckern haben, denn an sich war der Auftritt Crone at ist best.

Do Neun Welten.jpgNeun Welten
Im 21sten Jahr des Bestehens klingen Neun Welten angenehm frisch und enthusiastisch… also be-messen an ihrer lieben, leicht schwülstigen Spielart. Und schön klang es, in meinen Ohren noch et-was stimmiger als bei Crone, sind die Lieder doch auch als Folk Songs konzipiert. Und während die Dunkelheit einkehrte, die Kälte aus dem Boden in die Glieder kroch und die Lagerfeuer eine wun-derschöne Atmosphäre schuf, konnte Freunde des Projektes sich auf deren Musik einlassen, einlul-len lassen und eintauchen in den Zauber der ersten Nacht. Ich aber gestehe, dass ich eher in kulinari-sche Welten eintauchte bei einem örtlichen Lokal, sodass ein Bericht über Thurnin ausfallen muss.

Do Vrimuot.jpgVrîmuot
Es ist wie es ist. Meine Zugewandtheit gegenüber dem Projekt des Herrn T.S. ist ähnlich wie Infor-mationen, die man von ihm im Netz findet: Sehr endlich. Traditioneller (Neo) Folk mit nebulösen Texten, die Mahnungen sein sollen, zum Teil aber eher beunruhigende Bilder in meinem Schädel aufkommen lassen („Sei der Speer meiner Worte“). Ein maskierter Herr trommelte fleißig im Hinter-grund, um das martialische (Neo) Folk Set-Up zu komplettieren – vielleicht möchte T.S. aber auch einfach klar machen, dass er alleine Vrîmuot ist. Man muss ihm zugutehalten, dass er auch bei diesen Temperaturen stimmlich und an drei bedienten Instrumenten glänzte, und es fanden sich einige Fans seiner Lieder vor der Bühne, die er auf eigene Konzerte einlud, immerhin also für all diejenigen eine gute Zeit.

Do Mosaic.jpgMosaic
Und schließlich ließen es Mosaic als Duo noch ein wenig krachen mit Gitarrenloops und düsterer Atmosphäre sowie der mit Abstand besten Gesangsdarbietung der von mir an diesem Abend gese-henen Bands: Schön düster, extrem gut aufeinander abgestimmt und wie besessen wirkend wurden alle Facetten schwarzmetallischer und folkiger Gesangsformen miteinander zu einem düsteren Ge-bräu gemischt, das zwar nicht die intensive Atmosphäre der Alben erreichen konnte, aber trotzdem ausgesprochen fein zu gruseln vermag. Respekt vor allem vor den punktgenauen Einsätzen bei zwei-stimmigen Parts – das gefiel mir und so widerstand ich dem Drang, der Kälte zu entfliehen.

Do 2.jpgInsgesamt ein feiner erster Abend, quasi das Warmlaufen auf kalter Wiese, bevor es am Freitag richtig losgehen sollte.