Projekt Pitchfork: Zwischen Splatter-Vinyl und Fan-Seufzer: 35 Jahre „Dhyani“

Projekt Pitchfork Zwischen Splatter-Vinyl und...

2026 ist noch keine paar Tage alt und die guten Vorsätze wackeln bereits bedenklich – besonders jener, in diesem Jahr wirklich weniger Geld für Re-Releases, Jubiläumseditionen und „hab-ich-doch-schon-aber-nicht-in-der-Version“-Neuauflagen auszugeben. Sammler*innen kennen dieses Gefühl nur zu gut: Kaum ist der Jahreswechsel vollzogen, flattert die erste Versuchung ins Haus und ruft leise, aber bestimmt „limitiert“. Und genau in diesem Moment melden sich eben auch ‘Project Pitchfork’ mit einer stilvollen Zeitreise zurück, die jeden Vorsatz pulverisiert: „Dhyani“, das legendäre Debüt, wird schon 35 Jahre alt!

1991 war „Dhyani“ nicht weniger als der Beginn einer eigenen Darkwave-DNA. Peter Spilles schuf damit ein Album, das emotional aufgeladen, düster und gleichzeitig erstaunlich klar strukturiert war. Songs, die nie bloß Kulisse sein wollten, sondern Haltung zeigten. Drei Jahrzehnte später wirkt dieses Debüt noch immer wie ein Referenzpunkt – und bekommt nun zum Jubiläum eine sorgfältige Frischzellenkur. Gemeinsam mit Mastering-Legende Robin Schmidt wurde das Album behutsam remastert, ohne ihm den rauen Kern zu nehmen. Statt Hochglanz gibt es mehr Tiefe, mehr Präsenz, mehr Luft zwischen den Schichten – so, dass „Dhyani“ heute genauso intensiv wirkt wie damals, nur eben mit etwas mehr Druck auf den Boxen.

Auch die verfügbaren Formate lesen sich wie ein gezielter Angriff auf das Sammlerherz. „Dhyani“ erscheint als limitierte 2×12"-Vinyl in der 35th Anniversary Edition, wahlweise als auffälliges Split-Splatter-Vinyl oder klassisch auf schwarzem Vinyl. Dazu kommen ein passendes T-Shirt und ein Hoodie mit ikonischem Artwork – perfekt, um beim Plattenhören würdevoll zu frieren und dabei nostalgisch zu nicken. Was allerdings fehlt, ist ausgerechnet das Format, das bei vielen Fans traditionell zwischen Jewelcases und Erinnerungen wohnt: Eine CD-Version scheint wohl leider nicht realisiert zu werden. Und ja, das sorgt in Fankreisen meiner Recherche nach bereits für hörbares Bedauern. Gerade für jene, die ihre ‘Project Pitchfork’-Diskografie in CD-Form seit Jahrzehnten fein säuberlich im Regal sortieren, fühlt sich das wie eine bewusst gesetzte Lücke an.

Unterm Strich bleibt „Dhyani“ aber auch nach 35 Jahren ein Debüt, das nichts von seiner Wirkung verloren hat. Vinyl-Fans werden glücklich seufzen, CD-Sammler etwas lauter – und alle zusammen dürfen feststellen: Manche Alben altern nicht. Sie warten einfach geduldig darauf, uns erneut daran zu erinnern, warum wir unsere guten Vorsätze eigentlich nie ernst gemeint haben.

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