Was mit Musik auf der Straße begann, führte für ‘Irdorath’ bis ins Gefängnis – und schließlich ins Exil. Die Beteiligung an den Protesten in Belarus hatte für die Band drastische Folgen. Heute, fern der Heimat, steht mit „Vuzhalka“ ein Stück in den Startlöchern, das genau diese Geschichte zwischen Mythologie und Realität in sich trägt.
Mit „Vuzhalka“, die am 09. April 2026 veröffentlicht wird, liefern ‘Irdorath’ einen ersten intensiven Vorgeschmack auf das kommende Album Bestiarium (VÖ: 16. April 2026). Klingt erstmal nach klassischem Pagan-Folk-Stoff – und ja, die Basis stimmt: Die Vuzhalka, halb Mädchen, halb Schlange, stammt direkt aus der slawischen Folklore. Aber hier endet die einfache Einordnung auch schon wieder.
Denn was diesen Track besonders macht, ist nicht nur die mystische Vorlage, sondern seine Entstehungsgeschichte. Geschrieben wurde das Stück unter Bedingungen, bei denen man normalerweise eher nicht an neue Musik denkt: im Gefängnis. Zwei Jahre lang waren Mitglieder der Band aufgrund ihres Widerstands gegen die belarusische Regierung inhaftiert. Genau dort nahm „Vuzhalka“ seinen Anfang. Das hört man dem Song nicht in jeder Sekunde an – aber man spürt es zwischen den Zeilen.
Heute, im Exil veröffentlicht, wirkt der Track wie ein musikalischer Übergang zwischen zwei Welten. Zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Kontrolle und Freiheit. Trotz aller Schwere trägt „Vuzhalka“ aber auch etwas Hoffnungsvolles in sich. Der Refrain setzt bewusst auf Akzeptanz statt Verbitterung – ein leiser, aber klarer Blick nach vorne.
Mit Bestiarium gehen ‘Irdorath’ dann aber noch einen Schritt weiter. Das Album ist nicht einfach nur eine Sammlung neuer Songs, sondern Teil eines größeren Konzepts: ein audiovisuelles Gesamtwerk, ergänzt durch ein illustriertes Buch voller Geschichten, Hintergründe und künstlerischer Einblicke. Belarusische Mythologie wird hier nicht als staubiges Archiv behandelt, sondern als lebendige, vielschichtige Welt. Ein Teil des Materials entstand über mehrere Jahre hinweg – und eben auch während der Haftzeit der Band. Diese besondere Entstehungsgeschichte verleiht dem Projekt eine zusätzliche Ebene, die über Musik hinausgeht und kulturelle Identität, Erinnerung und Verarbeitung miteinander verbindet.
Und wer das Ganze live erleben will, sollte sich die Termine genau anschauen: Die dazugehörige Tour wird die einzige Gelegenheit sein, ‘Irdorath’ 2026 auf der Bühne zu sehen. Danach legt die Band eine Pause ein – aus einem ziemlich schönen Grund. Die beiden Köpfe der Band Nadezhda Irdorath und Vladimir Irdorath erwarten im Sommer ihr erstes Kind. Auch das passt irgendwie ins Gesamtbild: neues Leben, neue Kapitel.
Pagan Folk aus dem Exil: ‘Irdorath’ liefern erste Single aus Bestiarium
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