The Overlookers, ein recht frisch gebackenes Duo, bestehend aus XY (Foretaste) und JB (Dekat), fragen sich auf ihrem Debütalbum, wie wohl die 50er geklungen hätten, wenn es damals bereits moderne Elektronik gegeben hätte. Es ist eine schöne Eingangsfrage, die sich in Teilen auch tatsächlich in ihrer Musik wiederspiegelt und bietet nette Vorlagen für Bandname, Coverartwork und Texte. Das macht schon einmal Lust, mal sehen, wie es um die inneren Werte steht.

Ich kann es gleich zusammenfassend sagen: ich bin so halb überzeugt von The Overlookers und verbuche das Album als zwiespältige Angelegenheit. Doch zunächst beginnt der Reigen aus Synthpop und EBM fast zu schön um wahr zu sein: "Driving fast" ist eine wunderbare Nummer, die einleitenden Sounds, der aufröhrende Motor und die dann einsetzenden monotonen Beats gehen perfekt über in eine fast schon zerbrechliche Melodie und sanft verzerrten Gesang. Der Refrain verbindet den hart klingenden Rahmen perfekt mit diesem sehr schmusigen Kern - ein toller Song und perfekter Opener, um Lust auf das Album zu machen (wohl auch deswegen zu Recht als Opener gewählt). Klanglich erkenne ich deutliche Paralellen zu Foretaste, bei Dekat kann ich es nicht sagen, da mir dieses Projekt nicht bekannt ist. "Prom night" schließt optimal an den Opener an, Eingängigkeit steht hier im Vordergrund, die Melodie funktioniert gut zum Tanzen, ist aber auch schnell wieder vergessen. Insbesondere "My moogadillac" kann deutlich benannt werden als Beispiel für das auch in der Musik thematisch wiedererkennbare Konzept: Einem nett verträumten Minimalsong wird durch an Beach Boys Songs erinnernde Orgelmelodie herrliche Nostalgie injeziert - nach dem Opener mein zweiter Reinhörtip auf dem Album. Leider findet sich ansonsten kein wirklicher Reißer auf 'Teenage wet dreams': "The disillusion" ist nett, "Give me more" und "No delight" in meinen Ohren nur Filler und "Speak to the devil" wenig berührend, aber wenigstens wieder gut für die Tanzfläche geeignet. "Inhale" kann mich noch einmal erfreuen, denn die unterkühlte Wavenummer mit weiblicher Samplebegleitung erinnert mich an die gelungeneren Samplenummeren der späten Wumpscutphase. Ganz schade: "Porn night" beginnt wundervoll verträumt und es hätte nur 30-40 Sekunden mehr gebraucht um die sich schön steigernde Dramatik schlüssig aufzulösen. So aber bricht das Stück nach 2 min abrupt ab. Der Titelsong ist schließlich auch eine nette Nummer, bei der nicht viel fehlt, um wirklich zu verzaubert. Aber das fehlt eben doch.

Was auch fehlt sind überzeugende Texte, leider - ja, auch in den 50ern gab es jede Menge belanglosen Murks zum Mitsingen und es geht hier um Teenager zum Abschlussball, aber diese Hackstücke aus der Phrasenkiste sind bei genauem Horchangriff furchtbar abschreckend.Tja, ein musikalisch schönes Debüt eines Projektes und ich wäre sehr gespannt auf die Entwicklung, wenn nicht beide Musiker erfahrene Hasen wären. So glaube ich, dass bei dieser Nebenspielwiese bis auf einen etwas veränderten Sound nicht wirklich viel zu erwarten ist. Das soll aber den grundsätzlich guten Eindruck des zumindest durchaus starken Albums nicht schwächen. Für Genrefreunde und Fans der Hauptprojekte.