Wir schreiben das Jahr 2004. Irgendwo in Schweden findet eine wahrhaft sündige Orgie statt. Ein kreativer Mann sieht seiner Frau dabei zu, wie sie sich mit einer anderen vergnügt. Er beginnt darüber zu sinnieren, welche Rolle Frauen in seinem Leben sowie im Weltgeschehen einnehmen. Das Resultat dieser Überlegungen: Sie schenken Liebe, Leben, Ekstase… zwischen ihren „apokalyptischen Lippen“ werden wir geschaffen und geboren. „They are the lips of lust and creation, the lips we seek to satisfy and the lips for which we suffer in desire.“ (Zitat Tomas Pettersson) Diese Gedanken begründen die Arbeiten an dem bis dato wohl furiosesten Album der schwedischen Band Ordo Rosarius Equilibrio – „Apocalips”, welches 2006 erschien. Mit diesem Werk hat Tomas Pettersson, Kopf von ORE, eine wahre Perle bittersüßer Endzeit-Musik geschaffen, welche ihresgleichen sucht. Stilistisch irgendwo zwischen Apocalyptic-/ Fetish-Folk und Dark Ambiente, schafft er es rhetorisch stilvoll zwischen Sex, Krieg, Hingabe, der Apokalypse und Selbstreflexion zu wandeln. Weit verspielter und melodischer als bei den Vorgängeralben verknüpfen ORE rituell anmutende Trommeln mit zauberhaften Klaviereinspielungen und orchestralen Einlagen. Zum ersten Mal seit Bandbestehen setzt Pettersson seine tiefe, klangvolle Stimme auch zum Singen ein. Er wird im Hintergrund oft von seiner Partnerin Rose-Marie Larsen begleitet. Beginnt das Album überraschend heiter – Tomas beschreibt offenbar seine Liebe zu Rose – wird die Stimmung durch die Titel „Do murder & lust make me a man?“ und „Hear the sound of a black flame rising“ zunehmend düsterer, martialischer und hypnotischer. Die erzeugten Eindrücke der einzelnen Lieder wechseln beständig zwischen Hoffen und Bangen, freudiger Erwartung und völliger Hingabe. Das Album gipfelt inhaltlich in den (vermeintlichen) Abgründen menschlicher Leidenschaft, Partnerschaft sowie Hingabe und mündet in einem (erst auf den zweiten Blick) doch sehr hoffnungsvollen „Who stole the sun from its place in my heart?“. Gekrönt wird das Ganze durch die unzähligen Wortspiele, welche „Rose“ sowohl als seine Partnerin wie auch als metaphorisches Bild der dornigen Blume erscheinen lassen, was eine unglaubliche Interpretationsvielfalt zulässt. Alles in Allem ist „Apocalips“ ein rundum berauschendes und durchdachtes Meisterwerk über die Themen Liebe, Hingabe und den Untergang der Welt, welches letztendlich nur auf Eines hinaus will: „Should we be sheep for a lifetime or lion for a day? That ist he question of tomorrow, that ist he answer of today.“ (Zitat Tomas Petterson).